Donnerstag, 10. November 2011

Oekumenischer Sonntags-Gottesdienst in APC-Tsumeb 06.11.11

25 Arts-Lehrer/innen von 3 Arts-Performance-Centres kamen nach Tsumeb zu einem
Weiterbildungs-weekend vom 04. - 06. Nov 2011
Alle ausser einem sind christich getauft. Sollen sie sich am Sonntag in ihre vier
Konfessionen aufspalten - oder wir feiern zusammen das "Wort Gottes" ? Die Tn sind soweit vertraut miteinander, dass wir einen oekumenischen Wort-Gottes-Dienst wagen koennen. Einstimmung mit einigen (gemeinsamen) Liedern - Einfuehrung: wir
widmen uns der Botschaft Jesu...   - wir hoeren Mt 25.1-13 - drei Gruppen erscheinen: Braeutigam + Co, die Klugen (Lampen und Oel) und die Nachlaessigen.
In Gruppen (4 x 6Tn) wird nun meditiert ueber "Das Leben ist ein Fest..." und was es dazu braucht. - Jede Gruppe haelt eine kurze Homily - freies Gebet - Schweigen -Abschlusslieder....
Die Tn zeigten sich ein wenig ueberrascht, dass "man" sooo offen und einfach
miteinander das "Wort Gottes" feiern kann...

Samstag, 15. Oktober 2011

Predigtskizze zum 29. Sonntag A (16. Okt. 2011) Thess 1.1-5 + Mt 22.15-21

Paulus lobt die Thessaloniker und ich moechte Sie, die hier versammelten Glaeubigen
auch in dieser Art, in dieser Hinsicht loben:
+ Sie zeigen Ihren christlichen Glauben tagtaeglich in vielen guten Werken...
+ Sie arbeiten daran, dass die Liebe das Verhaeltnis zwischen den Menschen
    bestimmt...
+ Sie halten in Schwierigkeiten durch, geben nicht so schnell auf, denn Hoffnung
   auf das Gute treibt Sie an...

Als einen solchen Menschen ehren die Pharisaeer Jesus von Nazareth: er gilt als
ehrlich, lehrt den Weg, den Lebensstil Gottes (Glaube in der Tat, Liebe ueber alles,
in der Hoffnung verwurzelt) und sein Lehren ist ebenso ehrlich, ohne Falsch, indem er sebst tut was er lehrt, und er ist von den Funktionen der Menschen, die sie ausueben, nicht beherrscht sondern schaetzt die Menschen als Persoenlichkeiten.

Dieser Jeus, die Thessaloniker und auch wir heute noch werden bestaendig in eine
Falle gelockt, in Versuchung gefuehrt - denn wir leben plural: wir leben in vielen Systemen und muessen diesen Systemen gegenueber Stellung nehmen.
zB zum das uns nun beherrschende Geldwirtschaftssystem, heute aktiv in verschiedenen Kapitalismen. Im Blick auf dessen Symbol, die Banknote, muss es fuer den Christen klar und eindeutig sein: der Staat hat dieses System eingefuehrt, lebt davon - und wir halten ihn dafuer verantwortlich. Als Staatsbuerger nutzen wir dieses System - es geht nun mal nicht anders - und gleichzeitig kritisieren wir es in der Verantwortung vor Gott; d.h. in bezug auf das System, das wir bei der Taufe akzeptierten: dass der Kosmos und die Weltgeschichte "Leben in Fuelle fuer alle" verheisst. Das vom Staat (und in der Demokratie) auch vom Staatsbuerger zu ver-
antwortende Geldwirtschaftssystem ist a) vorerst zu akzeptieren im Sinne von
Erfahrung, Durchschauen und Nutzen (sehen) b) zu beurteilen im Sinne von Wirkungpruefung  und c) weiterzuentwickeln im Rahmen der christlichen Verheissung (handeln)

Diese christliche Verheissung (Good News / Leben in Fuelle fuer alle) ist von den Christen in eine verstaendlich nachvollziehbare Sprache zu uebersetzen, in ein Wort, das sie ueberall proklamieren;  sie ist als wegweisende Kraft im Konsumieren und im Geschaeften zu praktizieren; sie ist als Ueberlebensstrategie in all den schwer- wiegenden Weltproblem anzuerkennen - und sie bearf des alltaeglichen Zeugnisses jener, die von dieser Verheissung ueberzeugt sind.

Freitag, 23. September 2011

Predigtskizze zum 24. Sonntag A / 10.'11.09.11 Kloten CH / Mt. 8.21-35

Petrus hat ein Problem: Wie grosszuegig soll er denn sein in seinem Versuch, das neue Christentum in seiner schwierigen Situation zu leben? Es scheint, dass dieses Problem die christliche Kirche durch 2000 Jahre nun begleitet hat. Noch heute hat sowohl der Papst als auch die Bischoefe und wohl die meisten der Glaeubigen dieses Problem: wie grosszuegig darf man sein, jeweils in der eigenen Weltsituation?
Um das Problem anzugehen, so sagt uns der Evangelist Mattheus heute, gibt sich Jesus nicht mit einer Kurzschluss-Antwort zufrieden. Die Parabel zeigt, dass Jesus zuerst klarstellen moechte, um was es im Projekt Christentum eigentlich geht.  Es geht um das Himmelreich! [Himmelreich uebersetzen wir bekanntlich mit: Fuelle des Lebens fuer alle.] Wer nun als Glaubender, die Lebensfuelle fuer alle Wirklichkeit werden lassen will, [wer also im Projekt "Himmelreich" mitarbeiten will] der geht von folgendem Gottesbild aus:
A) Gott hat den Menschen alles gegeben: Das Leben in seiner Fuelle (und nicht etwa nur einen Drittel) zusammen mit allen Problemen, dazu auch noch die Chancen, die Probleme zu loesen, und wo der Mensch sie nicht loesen kann, gibt Gott die Kraft, die Situation zu ertragen.
B) Wenn der Mensch seine Begabung erkennt und dem grosszuegigen Geber zurueckzahlen moechte, was er schuldet, - dann erkennt der Mensch auch - eine so grosse Schuld ist unbezahlbar.
C) In dieser Erkenntnis vernimmt der Glaubende, dass Gott eine totale, ewige Amnestie angeordnet hat; er hat einen absoluten Schuldenerlass fuer alle unter-
schrieben.
D) Wer die von Gott offerierte Lebensfuelle in dieser Welt nicht realisiert, der ist zum Schadensfall der ganzen Welt geworden.

Dieses Gottesbild Jesu ziemt sich dem christlichen Glauben. Dieses Gottesbild ist dem Glaubenden Voraussetzung, wenn er die Fuelle des Lebens fuer alle anpeilt. Leider ist es dem Christentum noch immer nicht gelungen, dieses Gottesbild in den Glaubenden fest zu machen. Ob die christlichen Eltern ihren katholischen Kindern dieses Gottesbild Jesu tatsaechlich vermitteln ist leider noch nicht gesichert. Im noch immer (leider von vielen Christen noch propagandierten) fragwuerdigen Gottes-
bild laesst sich eine Erklaerung fuer die Schwaeche des heutigen Christentums finden.
Und nun kommt Jesus in der erzaehlten Parabel auf den springenden Punkt: Er tut es interessanterweise mit einem Negativ-Bild: Er zeigt, wie es nicht sein soll! Positiv gedeutet: Der getaufte Christ tut, was Jesus getan hat: er praktiziert dieses grosszuegige Gottesbild in seiner wie immer gearteten Situation. Dieses Gottesbild unter den Menschen Wirklichkeit werden zu lassen, das ist Inkarnatin. Die Gesinnung und das Verhalten Gottes zwischenmenschlich zu verwirklichen, das ist "glauben".

Wenn wir nun einen Blick auf die Menschen werfen, dann stellen wir freudig fest, dass dieses Gottesbild Jesu in recht vielen Menschen irgendwie vorhanden ist: die meisten Menschen haben Freude an der Grosszuegigkeit, haben Freude an ihrer Begabung. Die Menschen sind irgendwie disponiert zur Fuelle des Lebens fuer alle.
Wir stellen aber auch fest, manchmal haben die Menschen Schwierigkeiten sich zu aeussern, ihrer Guete Ausdruck zu geben, das Wort der Verzeihung will noch nicht auf die Lippen kommen. Diese Kunst, sich im Besten zu geben, die gute Absicht in die Tat umzusetzen, diese Kunst will erlernt sein. Innerhalb der Kirche ist die Katchese dafuer zustaendig; im offenen Bereich der Gesellschaft versuchen wir diesen Lernprozess in unseren APC's zu verwirklichen (Arts-Performance-Centers): im Tanzen und Musizieren, im Malen und im Drama etc... da lernen die Menschen einszeln und in der Gruppe "sich zu aeussern", ihr bestes zu geben. Und diesen Lernprozess "sich aeussern" zu koennen, halte ich heute fuer sehr wichtig.
Glaubende Christen sind dazu herausgefordert, dem Gottesbild Jesu im Alltag Gestalt zu geben... damit erweitern sie die Anteilnahme an der Fuelle des Lebens fuer alle.

Ferien 2011 in CH Altdorf Uri

Vom 19. Aug. 11 bis 15. Sept 11 genoss ich Ferien in der CH: Viele Besuche, einige Feiern, einige Aktionen zugunsten von unseren APC's (Namibian-Arts-Perfomance-
Centres-Association), genuegend Schlaf, eine gute Kueche und vier Buecher ueber
Gott und Religion. Wie ich "Kirche" in der CH erfahre?  Die Verantwortlichen, die ich traf, geben sich grosse Muehe, Talente sind vorhanden...  Das Buch von FX Kaufmann
"Kirchenkrise" (Herder 2011) fand ich hervorragend; doch es trifft die Alltagsrealitaet nicht.Ich bin auch nicht in der Lage, die gemachten Erahrungen weder zu bewerten,
noch zu kritisieren.Momentane Stichworte: Ballon ohne Luft, Bild ohne Farbe, Schiff ohne Segel, ein Container-truck, Postkutsche mit angezogenen Bremsen...
Nun bin ich wieder in Namibia mit folgenden Aufgabenfelder:
+ Spv, Scty, Finance of NAPeCAs
+ Cp of Board of CSFN (Civil-Society-Foundation-of Namibia)
+ Board-member of "Lion-Arts-Foundation"
+ Studium: Evolution - Religion - Gott
+ Assistant Priest in the Otjiwarongo-Region
+ Spv of APC-Otjiwarongo
+ Life-consultant

Samstag, 13. August 2011

Predigtskizze zum 20. Sonntag A (14.08.2011) Aufnahme Marias + Mt. 15.21-28

Heute feiern wir den grossen Glauben einer fremden Frau und das glauben-
basierte Fiat der Mutter Jesu.Wir wollen also ueber "glauben" nachdenken.
Eigentlich sind alle Menschen "glaubende".Es ist eine erste Grundeigenschaft
des Menschen zu glauben; anders gesagt: Der Mensch hat eine natuerliche Grundkraft zu glauben. Immerschon hat der Mensch angenommen, dass die
Erde ihn traegt, dass die Sonne scheinen wird, dass die Sterne nicht vom
Himmel fallen, dass die Blumen bluehen werden. Der Mensch setzt voraus:
Morgen ist wieder ein Tag. Ohne diesen natuerlichen Glauben ist "leben" nicht
moeglich.
Diesem natuerlichen Glauben liegt eine "unbewusste" Entscheidung zugrunde:
Ich nehme an, der Boden traegt mich, also gehe ich. In der Erfahrung ist es um-
gekehrt: ich gehe einfach; denn es ist "selbstverstaendlich", dass der Boden
mich traegt. Erst im Zweifelsfall oder im Irrtum entsteht das Problem.Die
meisten unserer Taetigkeiten basieren auf diesem "glauben".
Aus diesem natuerlichen "glauben" entspringt das persoenliche "glauben":
Ich vertraue Dir. Das Kinde vertraut der Mutter, der Freund der Freundin.
Die Frau im heutigen Evangelium entscheidet sich, diesem Jesus zu vertrauen!
Im Ehesakrament wird ein solches gegenseitiges Vertrauen geheiligt.Leider
bleibt einigen Menschen das Wachsen in dieses persoenliche Vertrauen verwehrt;
oder die Vertrauenskraft schwindet.
Ein weiterer Schritt ist das religioese "glauben"; Menschen entwickeln die Faehig-
keit, an das Geheimnis Gott zu glauben. Sie entscheiden sich dafuer, dass Gott
existiert. Es ist hier nicht mehr die falsche Frage: ob Gott existiert oder nicht.
Er ist, seit der Mensch faehig ist, Transzendenz und "das Andere" zu denken, in
fast aller Menschen Denken und in vieler Mund. (Was denn der Mensch ueber Gott
denkt, das ist hier nicht Thema).
Wichtig ist das Einsehen, dass diese Glaubenskraft kreativ ist: Das natuerliche
"glauben" ermoeglicht unser Leben auf dieser Erde, das persoenliche "glauben"
ermoeglicht unsere Beziehungen und das religioese "glauben" ermoeglicht Gott.
Ohne diese Grundlage "glauben" geht gar nichts.
Da diese urwuechsige Glaubenskraft wie ein Wildwuchs ist, mahnt die christliche
Kirche zurecht, dass sie von der menschlichen Vernunft gerichtet werden muss.
Darauf haben Papst JP II und Papst BXVI deutlich aufmerksam gemacht. Glaube
und Vernunft gehoeren zusammen! Die Fragen: was nehme ich denn eigentlich an,
wem vertraue ich, sind fuer ein menschenwuerdiges Leben unumgaenglich.Noch
wichtiger wird die Frage, ob ich mich fuer das Geheimnis Gott entscheiden kann!
Das ist der  jungen Frau Maria von Nazareth gelungen.
Auf unserem Weg zur Fuelle des Lebens muss die menschliche Grundkraft "glauben"
auf dem Feuer der Vernunft grilliert werden.Der Entscheid: ich glaube, muss von der
Vernunft aus der Erfahrung abgeleitet werden, muss begruendet werden und im
Risiko gewagt werden. Solches "glauben" versetzt Berge, heilt den Menschen und
erloest den Kosmos. Die fremde Frau aus Kanaa und Maria von Nazareth haben einen
fuer sie und fuer uns wertvollen Entscheid gefaellt.

Dienstag, 26. Juli 2011

Pedigtskizze zum 18. Sonntag A ( 31.07.2011)

A) Darlegung:
1.) Der Profet Isaias (55.1-3) moechte uns darauf aufmerksam machen:
Dass der Heilige Jahwe-Gott zu uns spricht (die Tatsache der Selbstoffenbarung
Gottes ist etwas, das heute viele schon nicht mehr glauben koennen). Wenn wir
aber hinhoeren, dann sollten wir den Namen des Jahwe-Gottes present halten:
"Ich bin der der fuer euch da ist".
2.) Dieser Jahwe-Gott spricht zu uns, mehr noch: er ladet uns ein: Kommt, das
Leben (Wasser, Korn, Wein) ist gratis. Hoert, die ganze Schoepfung ist euch
gegeben - die Seel wird erfreut aufleben. Und ein Bund wird uns zusammenhalten
(denn Gott und Mensch/Schoepfung gehoeren existentiell zusammen).
Eine grossartige Zusage!
3.) Paulus meint nun (Rom 8.35,37-39) diese zusagende Liebe Gottes sei in Jesus
Christus einsichtig geworden. Darum ist Paulus davon so ueberzeugt, dass er behauptet: nichts aber auch gar nichts koenne ihn / uns von dieser zusagenden
Liebe mehr trennen. Paulus ist wirklich Christ geworden; einer der auf die Liebe
Gottes total vertraut.
4.) Mt 14.13-21 geht noch weiter. Nicht nur ist in Jesu Leben die Liebe Gottes
einsichtig, einsehbar, offenbar geworden sondern im kirchlichen Leben von Heilung
(Vergebung und Wieder-Herstellung einer gesamtheitlichen Lebensfaehigkeit) und
von echter Eucharistie-feier wird die Liebe Gottes sogar erfahrbar. Diese Erfahrung
zu machen ist fuer Christen heute wieder ganz wichtig.
Auf diesen 4 Saeulen basiert unser heutiges christliche Leben: Auf dem Wesen Gottes (Liebe), auf seiner realen Zusage (Schoepfung/Offenbarung/Bund), auf Jesus als eine humane Realisierung des Wesens und der Zusage Gottes und auf der Kirche, die diesen Jesus in unsere Situation hinein aktualisiert (aggiornamento).
B) Aktualisierung:
a) wer hat uns geheilt und ernaehrt, so dass wir Liebe erfahren konnten?
b) wer hat uns einsichtig gemacht, dass Gott die Welt wirklich liebt?
Welche Rolle spielt die Kirche in dieser Hinsicht fuer uns noch? Die Ueberzeugung
von der Liebe Gottes zur Welt zu gewinnen ist ein schwieriger Prozess. Wer ihn durchgemacht hat, hat die grundlegende Basis zur christlichen Spiritualitaet erreicht. Von einem solchen Christen kann man nun erwarten, dass er/sie Erfahrung und Ueberzeugung bezeugen.

Donnerstag, 21. Juli 2011

Predigt Vor-Ueberlegung zum 17. Sonntag A (24.07.2011)

Es braucht fuer jede Predigt einen klaren Entscheid ueber was denn ich predigen will.
Gemaess der Anordnung der Kirche hab' ich mich entschieden am 24. Juli 2011 in der Predigt Ueberlegungen ueber das "Reich Gottes" anzustellen. Ich muss gestehen, der Ausdruck "Reich Gottes" (Himmelreich) behagt mir nicht. Es gab eine Zeit, da sprach ich ueber "projekt Nr 1 fuer alle Christen" in der Meinung: fuer alle Christen gilt: Zuerst das Reich Gottes, alles andere wird euch hinzugegeben. Doch der Ausdruck "projekt Nr 1" schien mir dann doch zu aktivistisch. Irgendwie gil t ja in der kath. Kirche, dass das Reich Gottes eine Tat Gottes sei. Spaeter hab' ich mich ent-
schieden jenen Ausdruck "Reich Gottes" mit "Lebensfuelle" zu uebersetzen (was ja auch ein biblischer Jesusgedanke ist). Ich meine natuerlich: das Reich Gottes ist: "Lebensfuelle fuer alle". Einen Hinweis gibt mir die Natur mit ihrer unendlichen Samenfuelle, die Informatik mit ihrer nicht fassbaren Informationsfuelle, die Morphologie mit der staunenswerten Gestaltfuelle etc... aber auch die menschliche
Erfahrungsfuelle - alles weist darauf hin: Lebensfuelle fuer alle ist vorhanden (was auch immer, gemaess Phantasie und Erfahrung, darunter verstanden werden kann). In der Jetztzeit nehmen wir schon an dieser Fuelle teil. Und wir moegen gewillt sein, moeglichst vielen eine gute Teilnahme zu ermoeglichen.Es ist klar, die hier und jetzt moegliche Lebensfuelle ist nur ein Hinweis auf die transzendente Lebensfuelle, die uns erwartet. Im Moment sind wir auf dem Weg zu dieser ganz erfuellenden, erfreulichen Lebensfuelle im Jenseits von hier und jetzt.
In der kirchlichen Gemeinschaft empfangen wir "Brot + Wein", empfangen wir das orientierende Wort und die gegenseitige Unterstuetzung. So zum Leib Christi geworden aktivieren wir auf unserem Weg seinen heilenden und heiligenden Geist
zugunsten einiger hoffentlich moeglichst vieler. Ein recht gewagtes, interessantes, heute etwas kompliziertes Unternehmen.
Mit meiner Klarstellung fuer mich, was ich denn verantwortlich unter Reich Gottes verstehen kann - geht's nun an die Erarbeitung der Predigtskizze in der Erwartung des sonntaeglichen Ereignisses, das wir als Predigt bezeichnen oder eben als "ein woertlicher Frohbotschafts-Funke".
Eine wichtige Anmerkung: Immer wieder bin ich erstaunt, wie sehr meine gehaltene
Predigt von der entworfenen Skizze abweicht. Fuer mich - ein gutes Zeichen!

Mittwoch, 13. Juli 2011

Was ist eine Predigt?

Sie ist ein gesprochenes Zeugnismoment der christlichen Frohbotschaft. Damit ist sie gerade nicht eine Vorlesung der schriftlichen Skizze. Predigt also ist ein woert-
licher Frohbotschafts-Funke (Fbf). Dieser hat eigentlich drei aktuelle Erscheinungs-arten:
Die intrapsychische: ich denke, ich fuehle (der Fbf ist im Gehirn).
Die interpersonale: Der Fbf ist im Wort; z.B Predigt
Die "de facto" Art: Der Fbf ist Tat geworden.
Die Lagerung von Fbf im Gedaechtnis, in den Medien ist keine aktuelle Erscheinungsart. Diese Speicherung bedarf, um aktuell zu werden, des Abrufs in die Gedankenwelt, ins Wort, in die Tat.
Es ist die Hauptleistung des Predigers den Uebergang von der Skizze zur Predigt
zu schaffen. Das ist eine gewagte Transformation: Ein mentaler Frohbotschafts-
funke wird eine oeffentliche verbale Manifestation!
Im Moment der Predigt wird die Skizze, gelagert im "Hinterkopf", aktualisiert. Die
Augen aber schauen gerade nicht auf die schriftliche Vorlage (Skizze). Sie nehmen die gegenwaertige Gemeinschaft in den Blick. Von den Zuhoerern kommt der Mut zum Sprechen. Das Wort entsteht zwischen dem Sprechenden und den Hoerern. Diese Dynamik ist fuer das Ankommen der Botschaft entscheidend. Die Aufmerksamkeit
der Hoerer ist dafuer wichtiger als die Bemuehungen des Predigers. Der Prediger
weiss: die Zuhoerer sind skeptisch, im Glauben gefaehrdet, vom Leben erschuettert,
geruettelt, erfreut, enttaeuscht, hin- und hergerissen und stets im Versuch, das Beste zu tun (was immer das heisst). Der Prediger hat erkannt: Der Mensch ist ein
Denk- Gefuehl- und Handlungssystem.Und diese Zuhoerer haben sich einst ent- schieden (Taufe und Firmung): Der Gott Jesu ist unser Gott, Jesus ist der christ-
liche Lebensstil, die Wirklichkeit Gottes und die Lebendigkeit, die Energie des Lebens(Brot); der Heilige Geist ist ausgegossen! Dieser Entscheid der Zuhoerer ist in der Predigt vorauszusetzen.  Da er aber stets in der Realitaet gefaehrdet ist, soll er nun gestaerkt werden. So wird die Predigt zu einer Aufmunterung. Diese Wahrnehmung der Zuhoerer ist ein entscheidendes Moment in der Predigt. Es geht nicht darum, nach dem Gusto der Zuhoerer zu reden. Das "Brot" wird serviert - "essen und
verarbeiten" muss der Empfaenger. Aber das Servieren hilft sehr zum Empfang. Ein guter Kellner macht neugierig auf den Wein. Die Kostprobe "zelebrieren" (Start der Predigt) wirkt. Die Skizze im Hinterkopf, die Zuhoerer vor Augen - der Prediger darf neugierig sein, wie wird die Botschaft wohl ankommen - im kritischen Denken, im gespannten Haushalt der Gefuehle, in der gestimmten Tiefe der Herzen.
Es ist eine Kunst, nicht zum Einzelnen zu sprechen, im Gegenteil: die Stimmung der gespannten Gemeinschaft ist anzusprechen. Und das Schlimmste: die Zuhoerer sind nicht im offenen Dialog. Sie sind in der Stimmung des Recorders. Umsowichtiger die Art des Servierens. Nicht Behauptungen sind gefragt sondern Ueberlegungen; Vorlagen zum mitgehenden Denken; Einladungen zum miteinander Wandern (in die Fuelle des Lebens hinein). Die Tatsache, dass die Botschaft anders gesagt, anders vestanden weden koennte, macht der Prediger vorsichtig, demuetig. Sorry: es wird der Zuhoerer-Gemeinschaft zugemutet, dass sie heute mit mir vorlieb nehmen muessen; mit meiner Art, mit meinem Talent und mit meiner Unfaehigkeit oder mit meiner momentanen Undisponiertheit.  Aber genau dies gehoert zur Stimmung der Predigt. Wir sind abhaengig vom gegenseitigen Vertrauen zu dem wir momentan faehig sind. Die Predigt ist wie ein Musikstueck. Ob sie mit "Vogelzwitschern" oder mit einem "Paukenschlag"  oder mit "Wellengesaeusel" started ist die Kunst des Komponisten. Aber die "Dominante" darf nicht verloren gehen; sie klar durchzuhalten dient dem Verstehen. Ein Zwischen-Laecheln, ein Frage- oder Ausrufzeichen, eine Pause ein Crescendo  etc... bringt Dynamik.
Das Ende der Predigt fasst die Botschaft in einfachen Worten zusammen und plaziert sie ins Leben der Zuheorer. Und vor allem, am Ende der Messe, da ist Sendung - die Zuhoerer haben es nun in der Hand aus der Predigt das "ihrige" zu machen. Und vertrauensvoll heisst die wichtigste Botschaft so oder so:
"Wenn ihr nun geht, vergesst es nicht, das Geheimnis Gott geht mit Euch"

(Vic. Hs. Leu hat im Auftrag der ncbc Predigtseminare durchgefuehrt).

Mittwoch, 6. Juli 2011

Predigtskizze zum 15. Sonntag A (10.07.11)

Wir kennen in der katholischen Tradition eine zweifache, doppelte Offenbarung:
jene durch die Creation und jene durch das Wort Gottes. Die Creation (als Objekt
und als Verb) offenbart uns etwas vom Geheimnis Gott (was nicht alle Menschen
wahrnehmen wollen/ koennen).
A) Die Creation scheint aufzuzeigen, dass Gott kreativ ist. Hinweis dafuer ist die
Evolution; dass in allem Geschehen Potentialitaet aktualisiert wird etc...
B) Die Erkenntnis, dass in der Creation alles vernetzt ist (Naturwissenschaft und
Philosophie sind sich darin einig) weist uns darauf hin, dass Gott eint.
C) Und die immer neu aufflackernden Energien lassen erahnen, dass in allem
Heilung geschieht. Hinweise: Selbstheilungskraft der Natur; das bisherige
Ueberleben des Kosmos...

Dieser creative, einigende, heilende Geist kann auch in jedem Menschen entdeckt
werden. Die Wahrnehmung der Creation fuehrt so in einem langen Prozess zur
unbewiesenen, unsicheren, risikoreichen Feststellung mit fast unendlicher
Tragweite: Gott ist schlussendlich Liebe. (Diese Erkenntnis hat phylogenetisch
lange gedauert und ist heute noch ontogenetisch nicht ueberall angekommen).
Das grosse Hinderniss zur Klarstellung (dass Gott Liebe ist) liegt in der Erfahrung
der Zweideutigkeit der Kraefte: cf. Wasser, Feuer etc...(cf. Hildegard von Bingen:
Das Spiel der Kraefte). Diese Zweideutigkeit der Creation und ihr vibrierendes
Gleichgewicht (Anfang + Ende; gut + boes; Fruehling + Herbst; arm + reich...)
ist jene constitutive Offenheit, die den Menschen unweigerlich in die Entscheidung
ruft. D.h. durch diese Zweideutigkeit ist der Mensch zur grundsaetzlichen
Entscheidung befreit.
M.a.W.: Die Creation hat uns auf Gott aufmerksam gemacht.

Wie aber lebt der Mensch diesen entdeckten Geist Gottes? Die Christliche Ur-
kirche hat sich entschieden: in JvN die irdische (saekulare) Aktivierung Gottes
zu sehen. Dieser Entscheid kann sich nicht abstuetzen auf die Wahrnehmung
der Creation. Es ist aber auch nicht der Fehler der Creation (gemaess Paulus),
unfaehig zu sein, Jesus Christus aus sich selbst hervorzubringen. Denn dazu
musste die Creation erst noch befreit werden... sie musste sich zur Zweiheit
entwickeln. Erst als Gott erkannt war, als seine Intention wahr genommen wurde,
konnte menschheitsgeschichtlich das marianische fiat gesprochen werden.
Die Aktivierung Jesu zum Christus ist das grosse Wagnis, den Geist Gottes
irdisch - weltlich - saekular zu leben. So hat die Creation lange gewartet bis
endlich nach der Entdeckung Gottes auch dann mit der Zeit die Botschaft Gottes
wahr-genommen werden konnte: dass der Mensch (als das Bechermass Gottes \
N.v. Kues) diesen zum Wohl der Erde aktivieren lerne.
[Man kann nicht das Wesen Gottes als solches "denken" /aktivieren! sondern nur
das, was der Mensch dem Begriff "Gott" mit seinem kontingenten Denken
zuzutrauen vermag... / anders gesagt: Der Mensch kann das Wesen Gottes nur
auf seine Art denken: eben menschlich; was in der Vorstellung von Inkarnation
dann aber auch recht deutlich wird.]

Mt im Samengleichnis Jesu macht uns darauf aufmerksam, dass die Menschen
sich in bezug auf Gott (sein Wort, seine Botschaft) als "Erdboden" verschiedenster
Qualitaet verstehen moegen. Seit im menschlichen Bewusstsein die Zweiheit von
Gott und Mensch schwebt, gilt das Gesetz: aufeinander angewiesen zu sein. Der
fruchtverheissende Regen und die wahrnehmende Erde. Auch das "Wort Gottes"
(soll es denn unter Menschen zuhause sein) unterseht dem Gesetz:
Sprechen + Hoeren konstituieren das Wort. Wenn einer versagt, gibt es keine Ernte.
[Was aktuell in der Spannung von Vernunft + Glaube, Staat + Religion sichtbar wird.]

Das "Wort Gottes" ist in unserer zeitgeschichtlichen Epoche im moment noch
gesichert. Es ist in vielen Medien gespeichert; auf vielen Kanzeln gepredigt;
in Liturgien gefeiert - und vor allem: noch viele Menschen setzen es in die Tat um.
Wieweit aber der heutige Mensch noch fruchtbare Erde fuer das Wort Gottes zu
sein  vermag (also ein diesbezueglich kreativer Hoerer) das ist zur Frage geworden.
Oder ist etwa gar das Wort Gottes in den heutigen Gefaessen schal geworden?
Wir muessen heute auf beides achten: Das Wort Gottes klar verstaendlich pro-
klamieren und die Menschen aufnahmebereit halten.
Vielleicht liegt eine Hoffnung in der Inkarnation: Wenn Gott recht menschlich
spricht und die Menschen einander wahrnehmbar erachten - dann koennten
Gott und Mensch etwas einiger werden; der Leib wuerde dann zum freien Wort
befreit und das Wort aktuell ver-leiblicht.
Gluecklich jene Augen, die sehen; jene Ohren, die Hoeren...

Montag, 4. Juli 2011

Was ist eine Predigt SKIZZE ?

Sie ist ein "Knochengeruest"! Wie entsteht nun eine Predigt-SKIZZE?

A) Man nimmt sich die von der Kirche bestimmten Texte vor, man stellt den Punkt im Kirchenjahr fest und man fuehlt sich in die Stimmung der Zuhoererschaft ein.
Diese Interessenmischung leitet die Textlesung, die Kirchjahr-Botschaft, die Wahrnehmung der Hoehrerstimmung (hinsichtlich der Welt- Nationen- Stadt- und Pfarrei-situationen) eben gerade so wie jeder Knochen aus chemischen Substanzen, aus Form und aus Spannkraft zu einer sichtlichen Einheit wird.

B) Nach dem Durchdenken (fuehlen) der Interessenmischung folgt die Niederschrift: d.h. die schwierige Wortwahl, die Satzformulierung, die Logik der Denkschritte, die Verstaendlichkeit der gewaehlten Begriffe und ihr emotionaler Gehalt - all das steht zur internen Debatte.
(Ob diese Niederschrift voll ausgeschrieben wird, wodurch sie den Chrakter einer Lesung bekommt, oder ob sie stichwortartig einer Zeichnung gleicht - das ist dem Talent des Predigers anheim gestellt).

C) Wer die Skizze mit der Predigt verwechselt hat das Atommodell mit der Wirklichkeit ausgetauscht.  So geht's eben nicht! Wenn die SKIZZE am Montag fuer den folgenden Sonntag erstellt ist, dann kommt sie nun (gelagert im Hirn und im Papier/ Computer) in den Ofen der Lebenserfahrungen der naechsten Tage. Dazu gehoeren auch die Nachrichten in TV, in den Zeitungen, die Gedichte der Zeit etc...
In den alltaeglichen Situationen geht die SKIZZE auf wie der Teig im Ofen und wird
zu Brot, zu einem (suessen oder sauren) Kuchen. Die Knochen werden mit Fleisch ueberzogen. Es ist klug die "Fleischhappen" in die SKIZZE einzutragen (um sie dem Vergessen zu entreissen).
Was, gemaess meiner Erfahrung, wenig geschieht ist eine gemeinschaftliche Vorbereitung der Predigt. Der Predigt-Klau ist leider im Wachstumsprozess.
Und die zunehmende Predigt-kritik haengt, meines Erachtens, zusammen mit der
Vernachlaessigung der Predit-SKIZZE.

Die Skizze gleicht dem Vorspiel - das grosse Ereignis steht noch aus.

Dieser Artikel ist verfasst von Vic. Hs. Leu
als lecturer for Homiletik im Auftrag der ncbc.