Freitag, 29. November 2013

Der erste Advents-Sonntag 01.12.2013

ES ist wieder NEUBEGINN, ein neues Kirchenjahr, um das Leben des Profeten JvN im Jahreszyklus zu feiern. Advent heisst aber auch Ankunft: Ein NEUES kommt an! Was ist denn so NEU im KOMMEN begriffen ?
Natuerlich darf man erwarten, ein Erloeser werde uns geboren...   Tausende tun es
zummindest an Weihnachten...  aber seit der beruehmte Suendenfall von Adam und Eva als causal-Mythos gesehen wird, braucht "Erloesung" ein neues Konzept.

Wenn wir der EVOLUTION Gottes nachgehen, wie Gott sich in den Vorstellungen der Menschen entwickelte, dann kann man einen INKARNATIONS-TREND ausmachen - dem absoluten Gott gegenueber.
"Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit gesehen"   Hier wird die INKARNATION BESUNGEN...
Dem absoluten Gott wird ein INKARNATIONSPROZESS zugemutet und dem menschlichen Auge ein wunderbares SEHEN.

Die INKARNATION Gottes koennte als Erloesung erfahren werden:
Wenn das liebende Wort menschlich gesprochen wird und unter uns verweilt
und wir seine Wirkungen sehen ...  = Inkarnation Gottes !
Das Licht der Welt int nicht draussen im All sondern drinnen im Herzen; das Heil der Menschen ist nicht im Jenseits sondern im Diesseits angesiedelt; das Geheimnis Gott ist nicht  verschlossen sondern offen... d.h.  Erloesung ist nicht im "Sich-verschliessen" sondern im "Sich-gegenseitigen Oeffnen"... wo Verwundbarkeit zur Achtsamkeit fuehren koennte. Barmherzigkeit kaeme dann von den Menschen her und nicht von oben gnaedig gewaehrt.
Gott waere dann nicht der allmaechtige Schoepfer sondern die Menschen-
freundlichkeit, die sich ereignet  usw...  usw...

Ich hab' den Eindruck, dass wir Christen noch immer schwanken zwischen dem absoluten Gott und dem inkarnierten Gott. Vielleicht behagen uns beide: ein
allmaechtiger Gott und ein dem Tode ausgelieferter Gott.
Die FRAGE ist, welcher Gott tut uns heute gut? Sollen wir uns dem Allmaechtigen ausliefern und eventuell an seiner Macht partizipieren (the power invested in me)
gar in der Macht die Herrlichkeit sehen, oder ist es Zeit in der Menschenfreund-
lichkeit Gott zu sehen? Was ist schoener "maechtig" oder "freundlich" ?

Donnerstag, 21. November 2013

34. Sonntag C / Lk 23.35-43 / 24.Nov.13 ENDE

Wir feiern das Ende vom Kirchenjahr C, das Ende vom Glaubensjahr und das Fest von Christus dem Koenig.
Wenn das ENDE kommt, dann ist der Tod, das Nichts nahe; sei es empfunden als Erloesung oder Verdammnis. Dem JvN wird am Ende empfohlen: nun zeige was du kannst und rette dich selbst. Aber ein Koenig rettet sich selbst nur, wenn er sein Volk rettet. Beide sind gegenseitige Bezugsgroessen. Ein Mitleidender erkennt diese Gegenseitigkeit; ausgedrueckt im Vers: "Gedenke meiner o Herr, wenn du kommst in Herrlichkeit".
Diesem Glaubenden wollen wir am Ende des kirchlichen Glaubensjahres ein wenig auf die Spur kommen; ohne das Ende des Glaubens zu provozieren.
A) Der Glaubend ist eingebettet in die grosse humane Welle, die die Menscheit hervorgebracht hat: Jeder glaubt...   ohne "glauben" kein Leben. Etwas in mir glaubt (eher unbewusst), die Welt sei im moment und bis in eine ferne Zukunft in etwa stabil. Der Boden traegt, die Sterne sind fix, das Universum lebt. Jeder ist im Kern ein Glaubenstraeger; jeder partizipiert in etwa an dieser Human-Kraft.
B) Innerhalb dieser umfassenden existentiellen Glaubensueberzeugung, die erst menschliches Leben ermoeglicht, erscheinen Objekte, denen der Einzelne oder die Gemeinschaft den Glauben entzieht. Ich glaube nicht mehr an...  oder: ich glaube dir nichts mehr...Im Glaubensentzug verlieren einige Objekte ihre Wirkkraft.
zB. Ich glaube nicht an die heutige Welt-Oekonomie; oder: ich glaube nicht, dass Gott in das taegliche Geschehen eingreift. In der tragenden Kraftquelle des Glaubens aber bleiben die meisten Objekte erhalten; sie geniessen meinen Glauben
(zumindest irgendwie).
C) Glaube erscheint drittens als eine mentale, spirituelle, gar operationale Taetigkeit. Vor allem Getue liegen Entscheidungen (die meisten unbewusst und blitzschnell). Ich glaube an Gott bedeutet: Ich entscheide mich, dass es Gott gibt. Ich glaube an dich heisst: Ich entscheide mich, wir gehoeren zusammen. Ich glaube dir meint: Ich kann mich auf dich verlassen.  Es it klar: Leben ist die Spur meiner Entscheidungen. "glauben" heisst: Ich entscheide mich in aller Unsicherheit, einer Potenz Wirklichkeit zu geben, damit eher etwas ist denn nichts.
Wenn wir uns fuer Gott entscheiden, dann wird er Wirklichkeit

.

Freitag, 15. November 2013

33. Son C Lk 21.5-19 durchhalten

Wie noch heute so haben schon damals Viele die Schoenheiten der Natur, der
Kuenste, der Religionen bewundert... - da gibt es unzaehlige Erfahrungen...
und in dieses ERLEBNIS bringt Jesus den  "Schock der Wirklichkeit": ALLES VERGEHT...    Braucht es dafuer eine bestimmte Zeit ? oder braucht es dafuer
"Extra Zeichen" (Beweise) ?  Fuer den Illusionaer Ja...  Aber Jesus will, dass man
beides in die Waagschale wirft:
Die Geburt, das Aufbluehen - die Vernichtung, den Tod.
Der Realist Jesus sieht es so:
1. Beachtet mit grosser Aufmerksamkeit was geschieht und laesst euch nicht taeuschen: Inzwischen ist klar: "Leben ist Bewegung / Veraenderung" .
Es gibt den "Angel of Life"; alles ist auf dem Weg zum Besseren...  es gibt den "Angel of Death"; alles ist auf dem Weg der Vernichtung (decay). Bewundert die Schoenheit dieses Tempels und wisst: er wird zerstoert werden! Bewundert die Philippinen und erschaudert ueber den Haiyan (nicht zu vergessen: Tsunami,
Fluechtligsstroeme, Erdbeben, Revolutionen, Kriege, Hungersnoete, Seuchen...
Beide Engel kooperieren unmissverstaendlich.
2. Beachtet auch eure Erfahrung / Situation:
A) In dieser "Life / Death-welt" seid ihr daran "die Herrschaft Gottes" zu verkuenden,ihr seid mehr als nur eingeladen einen NEUEN Himmel + eine NEUE Erde einzufuehren - das ist nicht einfach!.
B) Wenn das Alte vergeht, werdet ihr von den Konservativen angeklagt; wenn die Erneuerung ausbleibt beschuldigen euch die Progressiven... und nach 4 1/2 billionen Jahren da explodiert unser Sonnensystem sowieso...
C) Eure christliche Weisheit und Gespraechsbereitschaft wird euch die Wanderung durch die Zeiten / Situationen erlauben; mit und ohne Erfolg...
In die "Leben + Tod - Welt"  (aufbluehen und vergluehen) blitzt ein ganz neues Licht,
das im "durchhalten" allein schon fuer sich spricht.
D) d.h. es geht in der Weltsituation schlicht und einfach ums "durchhalten":
Keine Rede davon: Gott ist das heraus-fordernde Licht in allen Dunkelheiten - in diesem "glauben" koennt ihr durchhalten. Aber es ist klar: Jesus ist sich bewusst: die eigentlichen Schwierigkeiten entstehen, wegen ihm (dem Jesus v Nazareth).
Es gibt eben ein Naturgeschehen (Leben + Tod) und ein Christusgeschehen (Auferstehung) - die beide bis heute noch nicht gegenseitig integriert sind..


Samstag, 9. November 2013

32. Sun C Lk 20.38 ein Gott der Lebenden...

Der Katechist fraegt ein Maedchen, was es denn zeichne. Es antwortet: "Ich zeichne Gott". Der Katechist meint: "Aber es weiss doch gar niemand, wie Gott aussieht". Das Maedchen: "Einen Augenblick bitte und sie werden es sehen".

Was das Maedchen tut: "Gott zeichnen", das tut die Menscheit als ganzes seit es Menschen gibt. Wir entwerfen Bilder von Gott. Die Geschichte, wie Menschen Gott "zeichnen" ist sehr interessant! Der Sieger-Gott, der Raecher-Gott, der Vater-Gott, Gott als Koenig, als Schoepfer (allmaechtig, barmherzig, liebevoll...);
Wer kennt nicht Marduk, Zeus, Wotan, Jahwe usw... Wie sieht Gott aus ?
Was soll man sich unter "Gott" denken ? Gott ist...
Vor allem fuer religioese Menschen ist es eine harte Entdeckung: Gott ist ein absolutes GEHEIMNIS. Keine Religion, keine Kirche, keine Theologie, kein Profet weiss "wie Gott ist". Die Fundamental-Theologie sagt als erstes: Gott ist ein
heiliges Geheimnis.
(Jesus - ein Kind seiner Zeit - hat den Gott seines Volkes gekannt und sein Beitrag
zu einem neuen Gottesverstaednis birgt noch heute grosse Ueberraschungen.)
Gerade weil Gott ein GEHEIMNIS ist, gibt es keinen andern Weg als zu entscheiden, wie wir Gott sehen. Von Gott reden heisst immer auch, sich von Gott ein Bild machen; sich ein Gottesverstaednis aneignen, ev. erarbeiten.
Die Faktoren, die zu einem Gottesverstaendnis beitragen, sind vielfaeltig, vielen
unbewusst (zB kulturabhaengig). Wie kommt der einst harte Jesuit Bergoglio
zu einem Gott der Barmherzigkeit ? Jene Mutter, die droht: Gott wird dich strafen, impraegniert im Kind das Image von einem strafenden Gott. Wenn die Kath. Kirche von Gott als "ens absolutum" spricht, kennzeichnet sie IHN als das
hoechste all-umfassende Sein.

Tote Menschen zeichnen Gott nicht (mehr), entscheiden nicht (mehr).Nur lebende Menschen denken Gott (je nach ihrer Art). Nur lebende Menschen entwerfen Gott und propagieren stets ihre Art von Gott. Gott ist zu allen Zeiten ein Gott der je Lebenden.
So sind wir heute eingeladen zu bedenken, welches Gottesbild wir praesentieren
und hoffentlich gelingt es uns, Gott ein attraktives Image zu geben.

Donnerstag, 31. Oktober 2013

31. Sun C / Lk 19.1-10 / Zachaeus

Gibt uns Lk ein Beispiel von Jesu Bekehrungs-Strategie ? Eine Erfolgsgeschichte!
Will er aufmerksam machen auf: Worauf es gewiss ankommt in der neuen Jesus-Bewegung ? Heute moechte ich die Erzaehlung so verstehen:

Vor vielen vielen Jahren stiegen unsere Vorfahren von den Baeumen hinunter ins
Flachland (K.Wilber) und gerieten in die Bewusstseins-Entwicklung...  u.a. wurde Transzendenz entdeckt und Goettlichkeit verortet. Der jenseitige Jahwe-Gott kam zum Vorschein...  und Gottseidank die Neugier blieb erhalten... brannte auch in  Zachaeus, einem tuechtigen aber im engen System der Oekonomie Befangenen.
Neugierde allein genuegt nicht. Wer den JvN einigermassen kennen lernen will, muss einen Standort-Wechsel erklimmen... aus der engen starren oekonomischen Lebenssicht kann der Profet aus Nazareth in seiner Botschaft nicht erkannt werden. Und wer ihn aus einer hoeheren Sicht zu Gesicht bekommt,
erlebt ihn zuerst unabdingbar als Einladung. Jesus ist mehr an Zachaeus interessiert als dieser an Jesus.[Da Jesus in Jericho keine Zweitwohnung hatte blieb ihm nicht anderes uebrig als die gewuenschte Begegnung in das Zacharias Haus zu verlegen].
Eine solche Begegnung ist bis heute aeusserst umstritten. Die Kirche und der korrupte Reiche. Der Reiche sieht sich veranlasst, sich fuer die Gnade der Einladung zu rechtfertigen. Er wird von nun an die Kath. Soziallehre in die Tat um-
setzen. Und darum ist dem Haus Zachaeus Heil widerfahren weil von dort aus nun Gerechtigkeit ausgeht. Ein gesellschaftlicher Werteverlust ist durch diese Einladung kompensiert worden.
Eine arme Kirche muss auch aufgeweckte korrupte Reiche einladen - nicht um zu betteln - sondern um sie vom ihrem Wert und von ihrer Verantwortung als Teil der Gesellschaft zu ueberzeugen. Auch ihnen gilt die Frohbotschaft...

Sollte im heutigen Weltfinanzsystem die kirchliche Ueberzeugungsarbeit Fruechte
tragen...  "dazu braeuchte es noch viel mehr Heiliger Geist"!  Die angesagte Armut
ist eine Spur davon...  zuwenig Theologen studieren Oekonomie!
[Haushaltungslehre - was im Brief an Timotheus vom Bischof verlangt wird]


Freitag, 25. Oktober 2013

30. Sun C / Lk 18.9-14 / Ist das moeglich ?

Den heutigen Text empfinde ich als sehr unverstaendlich, als missbehaglich...
ist er fundamental ironisch zu lesen oder eher als simple Alltags-skizze ?
A) Der Adressat:
Es scheint, dass der Lk-Jesus eine klassische Einschaetzung verteilt:
1. An jene, die stolz sich preisen als tugendhaft (als richtig! als recht-glaeubig!)
und die daher alle andern meinen verachten zu muessen  (als un-tugendhaft, als un-richtig, als un-glaeubig). Wer sich einbildet: er allein und einzig sei richtig und daher sind alle andern eigentlich falsch; der wird einst als "unrealistisch" gelten.
2. An jene, die sich als "angewiesen auf..." , als "ausgeliefert an..."  empfinden,
und dies auch noch wissen und bekennen. Wer also sich und seine Sicht nicht als allein richtig preisen kann, da er weiss, wie sehr er in allem der Begabung durch Gott anheimgegeben ist, der wird einst "realistisch" Anerkennung finden.
B) Das Gleichniss:
Der fromme Pharisaeer - mitten im Heiligtum - preist sich als "einzig"!
(der wahre Mensch, der vollkommen-perfekte in seinen und Gottes' Augen).
Der suendige Tax-Collector - im Heiligtum augenniedergeschlagen - bekennt
sich als in allem "begrenzt", als behindert, als erloesungsbeduerftig.
C) Die Lehre / die Warnung:
Wer sich als begrenzt versteht, stimmt eher mit der Wirklichkeit ueberein.
Wer sich als "einzig-richtig" sieht, verkennt bestimmt die Realitaet.
[biblisch: wer sich erhoeht wird erniedrigt, wer sich erniedrigt wird erhoeht.]
Ist das moeglich ?   Dass sich in 2013 eine Person, eine Gruppe, ein System,
eine Weltanschauung, eine Religion noch als "einzig- und allein-richtig" verstehen
kann, - das scheint mir total unmoeglich. Keine Ahnung von begrenzter Wahr-
nehmung, von interessegeleitetem Urteil, von kontextueller Situationsbedingt-
heit, von der Interaktion zwischen Subjekt und Objekt - ist das noch moeglich ?
Keine Ahnung von der Differenz zwischen der Wirklichkeit und deren Erscheinung ?
in der Geschichte in den Medien und im heutigen menschlichen Geiste ?
Ist Lk 18.9-14 ein Spiegel fuer meine Selbst-Einschaetzung ? 






Dienstag, 22. Oktober 2013

FATIMA 15 Taufen + 1 (20.10.13)

"Fatima" ist eine kath. Gemeinde im Slum-Viertel von Orwetoveni in Otjiwarongo
und hat eine "gruene Kirche" (ein grosser Baum mit soeben den ersten Fruehlings-blaettern).  Statt 200 Tn wie gewoehnlich kamen nun ca. 500 Tn zu dieser eucharistischen Baby-Taufe. Ein Frauenchor staerkte uns im Singen,
es war echt viel Bewegung in der Feier, ich selber sprach English und einiges
in Oshiwambo.
"FATIMA" bedeutet in der kath. Uebersetzung: Maria, bekannt als Mutter des Profeten Jesu von Nazareth, will ihren Glauben an Gott durch alle Zeiten hindurch manifestieren. Sie will ihr "fiat voluntas tua" deutlich als vorbildlich
zu erkennen geben.
In dieser gruenen manifestierenden Atmosphaere wurden die Baby's eingeladen als eigenwillige Persoenlichkeiten (eigener Name) in Zukunft ihre eigene Art von Christ-sein (in der Perspektive Jesu) zu praesentieren.
Unmittelbar vor der Proklamation des Evangeliums wurde im "effeta-ritus"
allen und jedem Baby einzeln zugesagt:
+ oeffne deine Augen um die Schoenheit der Welt zu erkennen
                           und um die Gestalt der Kirche wahrzunehmen.
+ oeffne deine Ohren um der Musik der Welt zu lauschen
                           und um das Wort Gottes zu hoeren.
Eine Predigt hat sich eruebrigt, die Sprache der Riten sagt genug:
+ Leben in Gott ist - wie bei Jesus -
                                eine befreiende weltgestaltende Ausstrahlung.

Bei der Gabenbereitung brachten die Tauffamilien natuerliche Gaben fuer ein gute
Mahlzeit an den Altar...  aber nur 10% der Tn war bereit, das "Brot des Lebens"
zu empfangen.
Am Ende der Feier symbolisierte das weisse Kleid das spirituelle Immunsystem
gegenueber den Zerfallskraeften der Gesellschaft und die Taufkerze sprach deutlich wie sehr der Christ als Licht im windigen Dunkel wirken kann.
Nach der Feier gingen wir noch in den Staats-Spital um das 16. Baby (gestern eingeliefert) feierlich zu taufen.
Diese gruene Tauf-Feier war gewiss eidrucksvoll -
aber in unserer gegenwaertigen Duerre reichen ein paar Tropfen Wasser nicht fuers Ueberleben.

Samstag, 19. Oktober 2013

29 C / Seine persoenl. BESTIMMUNG durchhalten...

Lukas zeigt uns Jesus auf dem Weg nach Jerusalem... dem Weg zum sicheren Tod.
Auf diesem Weg braucht es AUSDAUER und TREUE zur persoenl. BERUFUNG, das will die kleine Geschichte uns versichern!
In Lk 18.1-8 beharrt die Wittwe auf ihrer Berufung, das Recht einzufordern...
und der ungerechte Richter  steht zu seiner Bestimmung dem Recht zur Geltung
zu verhelfen  (seine Motivation ist dabei sehr fragwuerdig!)

Es gibt in der Weltgeschichte seit langem da und dort eine von Menschen ausge-
handelte Gerechtigkeit: "einander leben lassen".  Dazu ist eine Balance der Gesetze noetig...   es sind die beruehmten "Staats-Verfassungen", sei es jene der
Schweiz, jene von Namibia... die das "einander leben lassen" regeln. In dieses gross-
artige weltweite Regelwerk wird Salz eingestreut: Jede Person muss / sollte / darf seine eigene persoenliche Bestimmung zum Wohl des Gesamten einbringen.

Es ist die persoenl. Bestimmung Jesu: Ins juedische "einander leben lassen" die Herrschaft Gottes einzubringen. Da aber die Herrschaft Gottes schon geregelt ist, sei es in der Natur oder im Gesetz...  wird Jesu Intervention als Stoerung empfunden. Was soll das...: "Gott mehr gehorchen als den Menschen", od: "einander lieben"  od: "Barmherzigkeit statt die Opferindustrie" .? ?   Jesus ist ein gefaehrlicher Stoerenfried...  wie soviele Profeten...          damit das von uns beherrschte und zu unseren gunsten wirkende Regelwerk nicht gestoert wird, ist es besser und sicherer den Stoerenfried zu eliminieren oder wenigstens verstummen zu lassen; diesen Jesus zum Tod zu verurteilen ist eine simple Sicher-
heitsmassnahme; es wird sich ein Weg finden lassen...

Jesus musste seine persoenl. Bestimmung in einem laengeren Prozess entdecken,
dann in der Praxis klaeren, Missverstaendnisse ausraeumen und gegen Widerstand
verteidigen...   und dabei gewaltlos und barmherzig und liebend agieren...
Wird ER das durchhalten ? ?  Zu seiner Bestimmung stehen ? ?  Das ist eine klare Frage, die uns alle angeht...  gegen alle Unsicherheiten und Widerwaertig- keiten  zu seiner eigenen Bestimmung zu stehen...In einem korrupten
System sich auf die persoenl. Gegen-Bestimmung berufen... das ist nicht so einfach...    es wird ihm wohl kaum jemand glauben !








 

Donnerstag, 10. Oktober 2013

28. Sonntag C - einer fuer alle: 10%

Heute am 13.10.13 zeigt sich Lk (17.11-19) als Realist. 50 bis 70 Jahre nach dem Wirken des Profeten JvN sieht er nur wenige orthodoxe Juden, sich zur Jesus-Bewegung zu bekennen. Fuer viele ist die Botschaft Jesu zwar eine Auf-
weckung, eine kritische Erneuerung, eine Heilung, gar eine erhoffte Rettung.
Heilung = aufrechtgehen statt liegenbleiben
                normal ungehindert wirken statt behindert auf die Seite geschoben
                natuerlich in Gemeinschaft leben statt isoliert verhindert.
Entgegen dem Mut zum heilenden Prediger und zu seiner unvollkommenen Bewegung "zurueckzukommen",[ von der Mutter-Kirche zur Tochter-Kirche umzuziehen], da spuerten die Menschen, das ist ein zu risiko-reicher Umzug.
Den Jahwe-Gott zu preisen das war normal; festzustellen, dass die Jesus Botschaft erneuert und heilt, das war eines... gewiss wirkte Jeus viel Gutes... aber der Bewegung beizutreten, ihm zu danken: d.h. zusammen mit den neuen Christen Abendmahl / Eucharistie zu feiern, dieser Entscheid gelang nur wenigen orthodoxen Glaeubigen, eher noch den Randstaendigen (Samaria / Galilaea).

Wir machen heute die selbe Erfahrung. Das Christentum hat sehr viel Gutes gewirkt (so die allgemeine Einschaetzung), aber es einzusehen und es  zuzuge-stehen (ev. in der Oeffentlichkeit) und in der heute gespaltenen Kirche  gemeinsam Dank zu sagen (Eucharistie ! ) das gelingt nur wenigen. Sind es 10 % ?
Wo liegt das schwerwiegende Problem? Im schlechten Resultat / Misserfolg ?
Die 90 % erneuert Geheilten, die sich als gerettet entdecken, sie verbleiben im angestammten Glaubens-Verstaendnis: Der Jahwe-Gott und in seinem Namen Jesus hat sie "aufrecht, ungehindert wirkend, in der Gemeinschaft beheimatet" gemacht.  Das ist eine erfrischende Erfahrung - aber es gibt nichts Neues !

Wer den Entscheid faellt in der Jesus-Bewegung mitzugehen - wer in der Eucharistiefeier ihm dankt, vernimmt die Botschaft: eigentlich ist es nicht Gott, nicht Jesus, sondern: "Dein Glaube hat Dich gerettet".
90 % der Christ-Glaeubigen meinen kurzsichtig: ein Aussenstehender, jener auferstandene Jesus, habe sie gerettet. Sie wissen noch nicht, dass ihr Leben eine "Glaubens-Angelegenheit" ist. Vielleicht sollten wir Christen, bes. jene,
die Eucharistie feiern, mehr Aufmerksamkeit dem "glauben" schenken.

Freitag, 4. Oktober 2013

27. Sonntag C "fan the gift of God into a flame"

Wenn ich probiere die drei heutigen Texte auf einen Nenner zu bringen, dann erscheint mir "glauben" als vorgegebenes Thema. Im juedisch-christlichen Welt-
verstaendnis war "glauben an Gott" selbstverstaendlich. Je staerker umsobesser.
Der Profet Habakkuk (1.2-3; 2.2-4), als er die sozial-politische Not-Situation und die Untaetigkeit Gottes dazu beklagt, schreibt in seiner Vision: der aufrechte Mensch wird ueberleben durch "glauben". [Das erinnert an M. Luthers: gerettet
durch den Glauben"]
In 2 Tim 1.6-8 ermahnt "uns" Paulus: das Geschenk des Glaubens zu beleben [das
Feuer unter der Asche wieder auflodern lassen / das erinnert an Abt Werlen].
Wie soll ich "fan into a flame" ins Deutsche uebersetzen? eine Flamme entfachen
oder (negativ) in die Flamme blasen (damit sie erlischt)? Im paulinischen Kontext
uebersetze ich: "glauben" in eine weltgestaltende Kraft steigern. Und es scheint,
dass Paulus meint, das liege an uns.
Bei Lk 17.5 dagegen erwarten die Apostel (und damit die Kirche) von Jesus:
dass er ihr "glauben" staerke. Jesus reagiert mit einem motivierenden Bild von unglaublicher Macht -  so als wolle er andeuten: ihr selbst muesst euch dazu anstrengen, euer "glauben" zu steigern.

"glauben" ist ein naetuerliches humanes Phaenomen: der Boden traegt,
Brot ernaehrt und Wein erfreut, der Kosmos ist fest geordnet und das Universum
bewegt (und frueher: und Gott lenkt). Ohne dieses "glauben" ist weder alltaegliches "leben" noch eine "Weltanschauung" moeglich.
Heute ist "glauben"  darueberhinaus ein religioeses Phaenomen indem einige Menschen so weit gehen, sich einem Geheimnis Gott anzuvertrauen.
Klar ist, dass "glauben" die staerkste und urspruenglichste Kraft ist, das Konzert der Macht zu dirigieren.

Hinweise dahin, wie "glauben" staerken, sind daher angebracht:
A) Natur / Kosmos-meditation ist angezeigt (mit der Vernunft die Natur durch-
dringen bis zum "staunen" und sich dann eine Weile ueber-geben).
B) Erfahrungen achten (sie auf ihre Bedingungen hin analysieren, dann sammeln,
und sie als gegeben eine Weile aushalten).
C) Wissen, dass alle Aussagen ueber Gott menschengemacht sind, daher eine
Weile darauf verzichten und ins totale Nichtwissen hineinvertrauen.