Mittwoch, 15. April 2015

CREDO (nach der Auferstehung)

Es gibt viele Versuche unter den Christen, das beruehmte CREDO neu zu komponieren. Eines ist dabei fuer alle klar: Unser CREDO ist eine sehr kon-zentrierte Aussage ueber unseren Glauben. Es ist wie ein einfacher Atom-Kern.
Die Kern-Aussage im CREDO mag auch ein Hinweis sein - im taeglichen Versuch
als Christ zu leben - auf was es denn eigentlich ankommt. Das CREDO ist eine Demonstration und eine Ermutigung: wir wagen es deutlich zu sagen, was wir glauben und sind ueberzeugt: es ist fuer alle eine Frohbotschaft.

Zum folgenden Versuch wurde ich angeregt durch Joh 3.1-21, wo Johannes fuer Jesus einen Text komponiert, wie Jesus dem Nikodemus seine eigene Ueberzeugung
vortraegt.

Ich glaube: Das Geheimnis Gott liebt die Welt.
Ich glaube: Jesus kam, um die Menschen zu befreien.
Ich glaube: Der Hl. Geist ruft uns in die Fuelle des Lebens.   AMEN

Einige Anmerkungen dazu:
a) das karge "Ich glaube" uebersetzte ich innerlich mit: "Ich hab' mich entschieden,
dass... ";  "Ich bin ueberzeugt, dass..."
b) In der Hl. Messe wuensche ich mir, dass das Ich mit WIR ersetzt wird. Ein Vor-
singer moege intonieren: "Wir glauben", und die Gemeinschaft singt die Botschaft.
c) Ich hab' Gott, Jesus und den Geist wie "nackt" vorgestellt (ihre Titel und Eigen-
schaften sind nicht das Entscheidende) dafuer aber ist Ihr Wirken betont.
d) Die christliche Gemeinschaft moege das Wirken Gottes (lieben, befreien, in die
Lebensfuelle rufen) in unserer Zeit aktualisieren. Das AMEN wuerde dann uebersetzt mit "Deshalb auch WIR" (lieben, befreien, rufen). Im Einzelfall heisst dann das AMEN: "Ich auch".
e) Ich denke, dass alle Religionen und vor allem alle Christen zu diesem Bekenntnis stehen koennen (interreligioes + oekumenisch).
f) Nauerlich muessen wir diese drei Kern-Aussagen in Gespraechen klaeren und in
die Lebenssituationen hinein konkretisieren.
g) Aber als ermunterndes Morgengebet kann so ein kurzes erfrischendes CREDO
Wunder wirken.

Donnerstag, 9. April 2015

Schreckliche Koerper-Verletzung

Wir Christen sehen das Leben Jesu irgendwie exemplarisch: Der Auferstehungsweg
ist heilend und einend - aber auch umstuerzend, Vorhaenge werden zerrissen, boese Geister vertrieben, Vergangenes wird in Frage gestellt, eigene Standpunkte werden verteidigt - und so kommt es zum Kreuzweg.
Der Kreuzweg aber ist integrierter Bestand-Teil des Auferstehungsweges.

Wir Christen verstehen uns als "der auferstandene Leib Christi fuer unsere Zeit".
Auch dieser Leib heilt und eint... ist aber auch dem Kreuzweg ausgeliefert.

CiG meldet (10/2015): Mit grosser Mehrheit hat die Parlamentarische Versammlung des Europarates in Bruessel eine Resolution verabschiedet,
die die Diskriminierung von Christen im christlichen Abendland verurteilt.

Am 02.04.15 vernehme ich im TV die schreckliche Meldung, dass in Garissa, Kenya
150 Studenten umgebracht wurden, weil sie getaufte Christen sind.
Ich empfinde Mitleid mit ihnen und ihren Angehoerigen. Ich empfinde "den auferstandenen Leib Christi" schwer verletzt. Solche Meldungen haeufen sich...

Am Karfreitag - so in meiner Predigt - schauen wir Christen 2000 Jahre zurueck.
Wir beachten ein Ereignis - geschildert durch die Evv - genannt Kreuzweg Jesu.
Wir gedenken in Trauer seines schrecklichen Todes.
Schauen wir auch in die Gegenwart ??? Sehen wir heute, was gestern in Kenya geschah ???  Dass der auferstandene Leib Christi schwer verletzt wurde - und
dies in 2015 und in Afrika !!! Bedauern wir auch diesen Tod, wie den Tod Jesu ???
Und protestieren wir gegen diese schwere Verletzung ???

Es will mir scheinen, dass der heutige Leib Christi (die christlichen Kirchen) eher
rueckwaerts-gewandt Jesu Tod bedauert aber kaum ein Empfinden fuer das, was IHM heute geschieht zeigt. Das aber ist lebensgefaehrlich !!! Verletzungen muessen erkannt und verarztet werden - ich selber war ueberrascht, wie mich diese Schreckenstat betroffen machte. Es wird gefaehrlich, Christ zu sein.

Freitag, 3. April 2015

Eine HEILIGE WOCHE.

Ich gehe davon aus, dass 2/3 aller Christen in der Welt sich in irgendeiner Form an den Karwochen-Feierlichkeiten beteiligen. Dieses Welt-Ereignis ist zugross fuer das TV. Es ist woertlich "unfassbar". Die mit diesem Ereignis verbundenen Gedanken und  Worte, Sympathien und Aktionen sind gewiss eine Spitzenleistung der evolutiven menschlichen Kultur. Dabei gilt die groesste Sympathy qualitativ und quantitativ dem Karfreitag (auch hier in Namibia) und leider noch nicht der Auferstehung. Das christliche Auferstehungs-Vertaendnis ist auch nach 2000 Jahren noch zuwenig geklaert; die Aussagen sind nebuloes und schwanken zwischen "physisch und mythisch".
Auferstehung geschieht als "Wirklichkeits-Werdung in der steten Gegenwart".
zB. Wenn eine Person ihr Leben voll gelebt hat (sie ist geboren, sie lebt, sie ist gestorben) kann sie spirituell in der Gegenwart Wirklichkeit werden und sogar das leibliche Leben der Gegenwaertigen mitbestimmen (was wir "Auferstehung des Fleisches" nennen). Wir praktizieren dies stets in der Eucharistie-Feier.

Die "Heilge Woche" beginnt mit dem Einzug Jesu in Jerusalem. Warum Jesus diesen Einzug in Szene setzte ist mir ein Raetsel. Gibt es keinen anderen Weg, um zu zeigen, dass ER der Herr, der MASTER, der LORD, der NEUE Koenig ist ????
Dass ER mit diesem Einzug die Regierung provoziert, muss auch IHM klar gewesen sein.  Der Konsequenz gedenken wir am Karfreitag. Zwischen Palm-Sonntag und
Karfreitag sagt der Hohe Donnerstag im Zeichen der Fusswaschung, dass der MASTER sich richtig erkenntlich zeigt im DIENEN: "SERVICING ! nicht MASTERING"
"DIENEN" ist der Weg der Erloesung. Der Einzug in Jerusalem (zeigen wer der MASTER ist) fuehrt in den Tod. Das dienende Wohlwollen, symbolisiert in der Fusswaschung, fuehrt zur Erloesung, zur Teilnahme an der Fuelle des Lebens.

Wenn die christlichen Kirchen den Einzug in Jerusalem als Warnung wahrnehmen:
so nicht ! und Eucharistie im Sinne der Fusswachung als DIENST praktizieren,
dann sind wir auf dem Erloesungs-Weg. Es ist erfreulich, wie viele Menschen heut-
zutage die Erfahrung machen und hoch schaetzen was Jesus demonstrierte als ER
das Brot zum Realsymbol seiner Existenz erklaerte. Immer mehr Menschen spueren und erkennen: Wir sind fuereinander "Brot und Wein".



Dienstag, 24. März 2015

GANZ - EINSATZ

Die Christen feiern Jesu Einzug in Jerusalem. So eine Feier ist nur verstaendlich,
wenn man annimmt, dass dem "Einzug" eine bewusste Entscheidung zugrunde liegt. Mir will scheinen, Jesus hat sich entschieden nicht nur ein individueller "Heiler" zu sein sondern auch die Machtstrukturen seiner Zeit in Frage zu stellen, sowohl die politischen als auch die wirtschaftlichen, dabei (in seiner Situation) sind die religioesen und gesellschaftlichen mitangepeilt.
"Ein neuer Himmel + eine neue Erde" - das ist ein allumfassendes Programm und erfordert eine Art von "total-engagement", ein "Lebens-Einsatz". Der Entschluss Jesu: "ich hab' mich entschieden aufs Ganze zu gehen" ist risikoreich. Nicht viele Menschen haben eine solche Begabung. Dem "Reich Gottes" im Denken, Reden und Tun Prioritaet einzuraeumen; das ist nicht jedem gegeben (noch nicht jedem ins Herz geschrieben). Vielleicht sind jene Menschen, die ein "Gott-geweihtes-Leben" oeffentlich bekunden mit den beruehmten drei Geluebden solche begabte Menschen - die sich so verstehen, dass der Einsatz fuer das "Reich Gottes" in ihrem Lebens-Einsatz Prioritaet hat. Diese Menschen muessten im Jahr 2015 der Oeffentlichkeit verstaendlich machen, was sie denn mit "Reich Gottes" meinen. Was denn heutzutage Armut, Gehorsam, Keuschheit mit ihrem sog. "Reich Gottes" zu tun hat. Der "Erklaerungsbedarf" ist sehr gross !

Wo erleben wir heute den "Einzug in Jerusalem" ? Kenne ich Menschen, die einen Ganz-Einsatz wagen ev. sogar fuer das "Reich Gottes" ? Muss der Ganz-Einsatz asketisch aussehen oder kann er auch dyonisisch leuchten ? Die Heiligen stehen
in der Kath. Kirche unter dem Verdacht, ihren Ganz-Einsatz asketisch zu praesentieren. Kann ein Ganz-Einsatz auch ganz "simpel / unheroisch" gelebt werden? Ev sogar unbemerkt von der Kirche ?

In der Heiligen Woche (29.03.15 - 05.04.15) schauen wir auf JvN; wie es ihm
bei seinem Ganz-Einsatz erging - eine eindrueckliche Geschichte - aber es waere ebenso christlich, jene ins Auge zu nehmen, die heutzutage, vielleicht mitten unter uns, ihren Ganz-Einsatz leisten - und welche Rolle wir dabei spielen. Und ganz wichtig, wir muessen uns fragen: wem gilt denn ihr Ganz-Einsatz ?

Samstag, 21. März 2015

Etwas ganz NEUES Jeremiah 31.31

Der Bund zwischen "Gott + Mensch" hat sich ueber die Zeiten hinweg entwickelt.
Noe / Exodus / Sinai ... Und nun bringt Jeremiah eine ganz neue VISION Gottes:
Das Gesetz Gottes ist ins Herz des Menschen eingeschrieben.

Ein Verstehens-Versuch:
Was immer geschieht; es ist ein auf mich Zukommendes - kommend aus dem
"all-heiligen-kosmisch-evolutiven Geheimnis".
Aufgrund meiner Wahrnehmungsstruktur selektioniere und modelliere ich das
Auf-mich-Zukommende - das sich folglich (bewusst oder unbewusst) praesentiert als erwartend und einladend oder als vernichtend and zu verwerfend...
stets aber als Gegenwart, Vergangenheit oder Zukunft...
und dann bilde ich es...  aus Instinkt und Ahnung, aus Erfahrung und Wissen,
aus Glauben und Hoffnung ... mache ich es mir zum Bild... damit bilde ich mich...
lasse mich davon beeindrucken und baue die Welt weiter...
im naturwissenschaftlichen Rahmen vom Dunkel der sinnlosen Evolution auf den Weg der Erhellung, Bestimmung, Sinngebung...
im mystagogischen Rahmen vom mystischen Licht der Gnade auf den Weg der
Lebensfuelle
[ der homo sapiens hat heutzutage sowohl ein naturwissenschaftliches als auch
ein mythisches (intuitiv-seelisches) Empfangen, beides ist ein psycho-somatisch-geistiger Vorgang und kann als einheitlicher erlebt werden...
vom Herzen symbolisiert ]

Story:
Ich sah im Traum drei Menschen im Schatten.
Der Knabe stand auf und ging in den Sonnschein, wanderte herum und freute sich.
Da sah er im Schatten das Maedchen mit dem gebrochenen Bein.
Was soll er tun? Er geht und hilft ihm aufzustehen.
Sie beide wandern im Sonnschein herum und entdecken im Schatten ein Kind, gelaehmt am Boden. Was sollen sie tun? Beide haben einige Vorschlaege...
Sie erwerben einen Rollstuhl - und seither geht das Kind mit ihnen...
und alle drei wundern sich, was bietet sich wohl als die naechste Chance an:
die Welt heller, freudiger, herzlicher zu machen ???

Samstag, 14. März 2015

KUNSTWERK GOTTES

In der Fastenzeit ist es erlaubt und eventuell sogar passend, "SICH" wieder einmal
ganz besonders als "VOLK GOTTES" zu fuehlen, ein Volk, das durch die Wueste wandert. "WIR wandern / nicht nur ICH" !!!  Die Bibel beschreibt uns so eine Wuesten-Wanderung (Exodus, Leviticus, Numeri). Das alttestamentliche "Volk Gottes" von anno-dazumal ist uns eine Vorgeschichte. Ein Symbol fuer unsere eigene Situation. Why not ? Ein Lehr-Gedicht ! Ein faszinierender Mythos, der uns antreibt und mahnt und aufmerksam macht...

Wir sind "mitten in der Wueste von heute" auf demWeg in die Fuelle des Lebens.
Die gegenwaertige Welt ist noch kein Paradies. Es gibt uebrall "toedliche Schlangen, es mangelt vielen an Brot, und oefters kein Wasser weit und breit".  Ich spreche also hier nicht vom sozio-biologischen Leben, dessen Zustand die Naturwissen- schaftler uns aufzuzeigen versuchen als die momentane Evolutions-Etappe. Ich
spreche vom Christlichen TRAUM, wo einst alle faehig sein werden "einander zu lieben". Vom "Heiligen Land" im Hier + Jetzt.

Der heutige Sonntag (der vierte in der Fastenzeit 2015 / 15.03.15) macht uns darauf aufmerksam, dass Gott uns immer wieder "auf der Wuesten-Wanderung"
Botschafter / Profeten sendet:
a) 2 Chro 36.14-23  damit wir uns bekehren, die Wendung zu Gott wagen...
b) Eph 2.4-10  damit wir in der Tat (durch den Profeten JvN) das gute Leben leben
c) Joh 3.14-21  damit wir die "Fuelle des Lebens" in uns sprudeln lassen...

Die meisten Menschen sind fuer uns "Staub bist du..." also gar nichts Besonderes.
Damit Jemand mir oder uns zum Botschafter wird, braucht es eine Transfiguration
1. Eine besondere Situation...  eine eigenartige Konstellation in unserer Beziehung
ein Stern, dem wir gefolgt sind...  Sympathy oder erotisches Licht etc...
2. Tiefes langes Hinsehen... realistisches Erkennen... Verabredungen... Gespraeche..
Abbau von Vorurteilen...  gegenseitiges Verstehen...
3. Geduldiges Hinhoeren... Uebersetzungsfaehigkeit...  Zeichensprache...

So entdecken wir durch TF die PERSON  (UND IHR LEBEN !!! )  als ein KUNSTWERK [wie Paulus heute sagt: WIR SIND KUNSTWERK GOTTES], das zu uns spricht. Vielleicht vernehmen wir eine Botschaft, - und lassen uns "etwas" gesagt sein !!!

Dienstag, 10. März 2015

Gott interveniert ???

Diese moderne FRAGE will heute tief meditiert sein; zB in der folgenden Story:

Mels ist die beste Gemeinde der CH - sagt Lis Hidber - und sie hat es bewiesen -
denn in der Aktion "langer Samstag" (Advent 2014) spendete Mels dem APC in
Namibia water-purification-machines, die in der Bevoelkerung gut angekommen sind.

Nun wurde bekannt, dass die Volkstheatergruppe Mels beschlossen hat 2015 das Spiel "Gottes Intervention" aufzufuehren. Die Melser wollen zeigen: Der Herrgott macht (sowieso) was ER will (wie Sawiri sagt) und das ist gut so.
Bei der Rollenverteilung kamen die rechten Personen zum Zug - nur die Rolle des Herrgott's war heikel zu vergeben. Die Melser wussten bereits durch die Kapuziner
Seelsorge: Der Herrgott ist a) sehr anders, b) unberechenbar, c) armen- genoessig (Klartext: ein Genosse der Armen). Wer koennte IHN spielen? Gewandet in grellem Gelb, stets im Hintergrund. Gewiss hat ER nicht viel zu sagen.(Entschuldigung: er hat eine reduzierte Sprechrolle). Nur etwa: "Ja, ich erhoere Euch" oder: "Nein, aus diplomatischen Gruenden kann ich Euch diesmal nicht beistehen". Auch etwa: "Wenn ich Euch erhoeren soll, dann muesst Ihr bei der Problemloesung ernsthafter und staerker mitmachen". Selten: "Wenn Ihr erst einig seid, dann erhoere ich Euch".
Klaus macht einen ueberraschenden Vorschlag: Wir fragen Lis in Namibia, uns den Herrgott zu schicken "anders - unberechenbar - armengenoessig". Die Gemeinde heisst den Vorschlag gut und nimmt ihn ins Budget auf. Lis sagt aus Dankbarkeit
fuer die Melser Grosszuegigkeit zu und findet Mr. Shikongo aeusserst geeignet. Sie lehrt ihn die Saetze in English und Deutsch. Die rehearsals auf beiden Seiten der Sahara bringen die Auffuehrung voran; schon steht der Eroeffnungs-Abend bevor. Einladende Plakate rufen: "Gott interveniert? - aber anders". Eine Melser-Delegation will Shikongo tagszuvor am Flughafen Kloten abholen - mit 2 Trachten- frauen und einem Kapuziner. Sie warten und warten und warten. Der Herrgott kommt nicht - bis heute. Der Kapuziner meint: "typisch Herrgott". Und die Trachtenfrauen klagen "Wie soll man heutzutage noch an Gott glauben, wenn er nicht einmal ankommt? zur Intervention nicht einmal mehr bereit ist".
Und die Melser tun bis heute schwer mit der FRAGE: Warum nur kommt der Herrgott nicht zur Intervention ???

Mittwoch, 4. März 2015

Staub bekommt Bedeutung

Die Fastenzeit sagt uns zuerst mit dem Aschenkreuz: "Staub bist du..."
Die Muttersprach-Forschung fraegt: heisst das: Dreck, Niemand, Unbedeutend ??? Gewiss, der Mensch ist Staub ! Wer wagt es dabeizubleiben ???
Am 2. Fasten-Sonntag geht die Kirche weiter (Mk 9.2-10 / Transfiguration / Tabor!)
Der Christliche Lebensstil besteht also darin: immer wieder weiter sehen; neues
entdecken, kreativ neues schaffen; ueber das Vorliegende hinausgehen; ein "MEHR"
wagen. Transfiguration = die Figur "ueberholen". Ein "MEHR" an Bedeutung der
Figur, der Form  "anzudichten", ihr "zuzugestehen".

Ja, der Mensch ist ein evolutionaeres Naturprodukt (also Sternenstaub); in einer
neueren Sicht ist der Mensch "mehr" eben "ein Kind Gottes". Dies zu realisieren,
zu erkennen und zuzugestehen, das ist Transfiguration.
Unser Universum ist ein Kosmos (ein heikles Kraftfeld); in einer neueren Sicht ist dieser Kosmos ein "mehr", eine Kreation (eine Schoepfung aus der Hand Gottes).
Jenes Girl, das ich gestern entdeckte, ist wirklich (dem Gott Eros sei Dank) das
wunderhuebscheste Geschoepf. In einer neueren Sicht wurde es mir zum Girlfriend, zur Braut, dann zur Gattin, zur Mutter, zur Hausfrau - eine typische Bedeutungs-Zuwachs-Reihe im 20. Jhh (soziale transfigurationen).
Das Haus, das ich kaufte kostete vielleicht CHF 250'000; nun aber machen wir es zu einem "Zu-Hause", zu "mehr", zu einem Heim fuer uns (hier bin ich daheim).
Wir Menschen leben, schwimmen in einem Meer von steten Tansfigurationen.
Sogar unser Weltbild ist stets eine Tansfiguration.

JvN ist ein typisches "Opfer" von Transfigurationen. Die Glaeubigen sehen in ihm immer "MEHR" Werte personal gelebt, dargestellt. Petrus sah in ihm den neuen
Moses und zeitigen Profeten; Paulus sah in ihm den Friedensfuersten; noch heute sehen wir ihn als "Licht im Dunkel der Welt" oder als "Brot fuer das Leben der Welt".
(cf. die Eucharistie als Tranfigurationsprozess) JvN wird zum Erloeser der Welt  (trans-figuriert) "stilisiert".
Fuer uns Christen ist entscheidend, dass wir diese Transfigurationen als Wirklichkeit anerkennen; sie sind nicht leere Einbildungen sondern dynamisch wirkende Bilder, die unser Leben praegen.
Ich wuensche allen viele Tabor-erlebnisse / peak-experiences.

Dienstag, 17. Februar 2015

Asche - "Staub bist du..."

Mr Shikongo ist am Okavango-Fluss aufgewachsen, tief in Afrika; da kann er die
Fasnacht gar nicht kennen. Die Kath. Kirche aber hat ihm die Fastenzeit gut bei-gebracht. Sie erscheint ihm, nach den Freuden von Weihnachten und dem unver-
staendlichen Gerede von "Gott ist Mensch geworden", soetwas wie: "sich dem Ernst
des Lebens zuwenden". Wenn das Leben karg ist, so ist fasten wie Alltag.
Am Tag vor Ash-Wednesday hat Shikongo einen Traum: Als stellvertretender
Liturgist teilte er das Aschenkreuz aus. Da stand ploetzlich hinter der Frau, die er
gerade mit dem Kreuz bediente, der Heilige Gott persoenlich. Oh Schreck! Kann
er zu Gott sagen: "Staub bist du..." ? oder soll er nicht eher zur Ehre Gottes singen: "Gedenke" UNSER, oh Herr, wenn du kommst in Herrlichkeit".???  Ein Engel fluestert ihm zu: "sag deutlich "STAUB", denn das ist Inkarnationscompatibel. Shikongo tat so
und sagte mit zitterndem Herzen zu Gott; "Staub bist du und zu Staub kehrst du zurueck". Aber verstanden hat er nichts und wachte vor lauter Erregung auf.
(Wenn das Kardinal Mueller von der Glaubenskongregation vernimmt !)
Seither beschaeftigt Shikongo die Formel: "Gedenke Mensch! Staub bist du..." Wem
sag ich das Warum ? Die Kirche ist clever, denkt er. Da ist kein: "NUR Staub bist du..." das wuerde allem Gerede von Seele und Himmel widersprechen, das waere Materialismus pur, das kann sich die Kirche gar nicht leisten. Da ist kein: "AUCH Staub bist du..." das wuerde einem "reality-turn" gleichkommen; einer Warnung, sich vom Himmel etwas wegzuwenden und sich eher zur irdischen Wirklichkeit hinzu- wenden. Shikongo hat von einem Schweizer gehoert, der propagiert die Formel:
"Gedenke! aus Sternenstaub bist du geworden zu Sternenstaub kehren wir zurueck"
Schikongo meint: das mit dem Sternenstaub stimmt wohl, ist realistisch; ist aber auch etwas weitsichtig und ueberhaupt: ob Staub oder Sternenstaub; tot ist sowieso tot. Etwas anthropologischer waere die Formel: "Gedenke! aus Fleisches-lust bist du geworden, zur allumfassenden Lebenslust sind wir gerufen". Das toent realistisch und idealistisch; hat aber im Jahr der Familien-Synode wohl kaum ein gutes Ohr... wo kaemen wir hin, wenn die Menschen aus purer Lebenslust leben wuerden? Wer denkt denn so verkehrt, dass zur Lebensfuelle auch noch die Lust dazugehoert? Shikongo schlussfolgert: Entweder bleiben wir beim Staub oder wir machen eine Kavango-Inkulturation und sagen dort: "Gedenke Mensch! Aus Wasser bist du und wirst schlussendlich verdunsten".  Theologen wuerden dann etwas "lebendiges Wasser" beifuegen und dass auch Gott - und dies gerade heutzutage - verdunstet. Und die von der Fasnacht vehoehnen: Aus Wasser bist du und wirst trotzdem verdursten.

Freitag, 13. Februar 2015

Das Volk Gottes auf dem Pilgerweg...

Im AT - das wandernde Volk stellt von Zeit zu Zeit "Camps" (Heilge Bezirke auf
und der "Aussaetzige" ist dazu verdammt, ausserhalb des Heiligen Bezirks, aus-
geschlossen vom Hl. Volk zu vegetieren (Lev 13.1-2,45-46).
Seine Kleider erbaermlich normal, zerrissen, sein Haar naturwuechsig.

Im NT - wer immer der "Ausgesetzte" (Mk 1.40-45): Jesus heilt. Er beruehrt den
oder die Ausgesetzte/n und sagt es deutlich: sei geheilt, akzeptiert.
Jesus ueberwindet die Bedingungen des Ausgesetzt-werdens.

Wir leben heute in einer Zeit starker Ausgrenzung: die Religionen, die Kirchen, Nationen und Parteien, Weltanschauungen und Kulturen etc... sie ziehen Grenzen. Die inclusiven Tendenzen werden zusehr beargwoehnt. Es ist an der Zeit zu fragen: denken, reden, handeln wir inclusiv oder eher exclusiv !

Es war eine aufschlussreiche Uebung im Gebetsjahr fuer das "konsekrierte Leben"
in den beiden Lesungen (Lev + Mk) den Aussaetzigen mit NCL zu uebersetzen
(non-consecrated-life / unclean). Im AT wird das NCL ausgesetzt; in eine Gegend ausserhalb des Heiligen Bezirks. Im NT wird NCL geheilt und in die Heilige Gemeinschaft wieder eingegliedert.

Wer in 2015 ohne oeffentlich deklarierte Geluebde lebt (Armut, Gehorsam,
Keuschheit) der/die wird in der Kath. Kirche beinahe "diskriminiert". Er/Sie gilt
als Nicht-Religioes, wird vom religioesen Zirkel ausgeschlossen und in die raue,
sekulare Welt verbannt.Dort sei ihr Wirkungsfeld. Obwohl die ehrwuerdigen
Orden, einst hochaktuell und heilswirksam, in der modernen Welt unglaubhaft geworden sind und sie deswegen absterben, tut die Kirche so, als ob ihr Heil von den Orden abhaenge. Es gilt als ziemlich sicher, dass Jesus oeffentlich keine Geluebde abgelegt hat. Dass nun die Geluebde in der Kirche zu einem aus-grenzenden Faktor geworden sind, ist mehr als bedenklich; vor allem wenn man weiss, wie diese Geluebde heutzutage in den Orden gelebt werden.

Einst hat die Taufe das Leben konsekriert, wie die Eucharistie das Brot.
Aber heute muss man Geluebde ablegen um konsekriert zu gelten...
welchen Pilgerweg haben wir da eingeschlagen ???