Freitag, 26. Oktober 2012

30. Sonntag B (28.10.2012) Mk 10.46-52

Mk stellt heute Jesus als Augenoeffner vor...
(hoffentlich auch fuer die, die momentan in Rom an der Bischofsynode teilnehmen)
(hoffentlich auch fuer uns, die wir Jesus nachfolgen moechten).
aber in der Erzaehlung liegt viel mehr - sie ist grossartig - es braucht noch viel,
bis Heilung geschehen kann! bis die "Nachfolge Jesu" tatsaechlich gelingt.

In Mk 1.15 wird die Proklamation Jesu verkuendet:
Die Zeit ist reif, das Reich Gottes nahe, kehrt um und entscheidet.
Genau dies geschieht konzentriert in der Bar-Timaeus-Erzaehlung und
es geschieht lebensecht in vielen Biographien!

1.) Der blinde, randstaendige X gibt sich mit der Situation nicht mehr zufrieden;
er traeumt vom Sehen und weiss nun: seine Situation entspricht nicht dem Willen
Gottes - oder, wenn doch, dann beugt er sich diesem Willen nicht mehr.
Er will mehr Anteil an der Fuelle des Lebens - aber, wer kann ihn heilen ?
auf wen kann er hoffen und vertrauen ? wer bringt ihn auf den Weg ?
(Nur wer die Kraft entdeckt, mehr vom Leben zu wollen - wird faehig aus dem
Gefaengnis der Unter-Entwicklung auszusteigen)

2.) X hat sich erkundigt; er weiss nun einiges von diesem JvN - und als Jesus
seinen Weg kreuzt, entscheidet er sich fuer Jesus.
(Wenn Gott und Jesus nicht mehr im Gespraech sind, wenn sie nicht mehr vorgestellt werden, wenn sie kein "attraktives Angebot" mehr sind - alles verloren!

3.) Jesus gilt ihm a) als Befreier (erwarteter Erloeser) und b) als einer voll von
Erbarmen. X bekennt sich nun oeffentlich zu Jesus - ER ist es, der uns rettet -
was der Menge gerade nicht passt, was aber Jesu Aufmerksamkeit herausfordert.
(Das Image der christlichen Kirchen von heute ? und die Situation in vielen Teilen der Welt [Politik, Wirtschaft, Kultur] wo ist JvN noch im Gespraech ? )

4.) Jesus ruft ihn und darum benachrichtigen ihn nun die Juenger und machen ihm Mut: Er sei ein Berufener!
(Neu-Evangelisierung; das "Aggiornamento" des Konzils; das Pfarrei-programm ?)
(Die verantwortliche Berufung von Mitarbeiter/innen in den kirchl. Dienst?)

5.) X wirft den stigmatisierenden Mantel weg, macht einen mutigen Sprung in die
neue Situation und geht auf Jesus zu.
(Ohne diese mutigen vertrauenden Schritte des Menschen - keine Nachfolge Jesu.)

6.) "Was kann ich fuer dich tun?" fragt der dem Leben dienende Jesus.
X entscheidet: "lass es zu, dass ich wieder sehe".
(Und nun das Entscheidende: Die Zulassung zum wieder Sehen ist schon laengst
gegeben... du must nur den Mut zum Gehen aufbringen.)

7.) Jesus macht nun aber kein Wunder - er bestaetigt nur: die heilende Kraft des
Vertrauens hat dich gerettet (sehend gemacht).
(Die Bedeutung des Ur-Vertrauens durch die erste Erziehung und duch die menschlichen Beziehungen!)

8.) Der einsichtig gewordene, einst blinde und randstaendige X ist nun fuer die
Gefolgschaft Jesu faehig und geht nun auf den Weg.
(Ein Weg, der in vielen Hagiographien beschrieben wird).

Am Missions-Sonntag ist es wichtig
a) die blinden randstaendigen Menschen zu entdecken;
b) in ihnen die Erwartung auf "mehr Leben" und auf "Jesus,dem man vertrauen kann"
    zu wecken.
c) die Menschen zu benachrichtigen, dass Jesus sie ruft; sie zu "versichern", dass
    sie Gerufene sind.
d) "Mut machen" aufzustehen, die Stigmata hinter sich zu lassen und auf Jesus
    zuzugehen (in einem oft jahrelangen tastenden Such-prozess) - das ist Mission.
e) das Ur-Vertrauen in den Kosmos, in die Natur, in die Menschen - und in all dem
    in das Geheimnis Gott - das ist hier "ins Spiel gebracht".

Freitag, 19. Oktober 2012

29. Sonntag (21.10.12) Mk 10.35-45

"Der Menschensohn selbst kam nicht um bedient zu werden -
sondern um zu dienen".

Es hat sich inzwischen fast auf der ganzen Welt die Meinung durchgesetzt, dass die
Regierungen dem Gemeinwohl ihrer Voelker zu dienen haben. Ich nehme an: unser Praesident Pohamba wuerde dem zustimmen. Ich vermute sogar: Obama und Putin und viele andere wuerden oeffentlich bekennen, dass sie sich fuer das Gemeinwohl ihrer Voelker einsetzen. Ban Ki Moon, (GS der UNO) wuerde gerne allen Staats-chefs predigen: sie haetten sich fuer das Gemeinwohl ihrer Voelker einzusetzen - dies aber in Ruecksicht auf das Gemeinwohl aller Voelker. Es geht heute um das Gemeinwohl der Voelker-Gemeinschaft, der Welt. Regieren heisst dienen. Auch Benedikt XVI versteht sich als Diener; Dienst an der Kirche. Und wenn sie in ein Geschaeft gehen, hoeren sie oefters die Begruessung: womit kann ich ihnen dienen?

Es ist sehr erfreulich, wie sich dieser christliche Grundsatz in Theorie weitgehend
durchgesetzt hat: es geht den Menschen guten Willens immer wieder um den Dienst am Gemeinwohl aller.
(Leider sind noch nicht alle Menschen guten Willens!)
"zu diensten sein" hat den Klang einer freiwilligen Aufbauarbeit zugunsten eines hoeheren Gesamt.

Spaeter bei der strategischen Frage: wie denn das Gemeinwohl aller zu erreichen sei, da gehen die Antworten grossartig auseinander. Und hier kommt es noch immer zu tragischen Konflikten: welches Steuersystem, welches Wirtschaftssystem, welches Bildungssystem dient dem Gemeinwohl am besten? Hier braucht es noch viel Forschung, Ueberzeugungsarbeit im Gespraech und viel Tatkraft.

Das II. Vatikanische Konzil  (1962-65), unter dem Motto "Aggiornamento" suchte nach Antworten auf die Fage: Wie muesste der Dienst der Kirche am Heil der Welt aussehen? Die gegenwaertige Bischofssynode in Rom unter dem Titel: Neu-Evange-
lisierung" steht unter der gleichen Fage: Dienst der Kirche am Heil der Welt -
aber wie ???
Und hier in Namibia, darf man die Frage stellen: Wie sieht der Dienst der christlichen Kirchen am Wohlergehen Namibias aus? Genauer gefragt:
Ist der christliche Glaube wie er hier gelebt wird dem Wohlergehen Namibias foerderlich? Ist er ein Dienst am Gemeinwohl Namibias?

Eigentlich weiss ich die Antwort nicht! Ich hab' zuwenig Ein- und Ueberblick.
Dennoch wage ich die Antwort: "JA - unter Vorbehalt !!!"
Bedingung Nr 01) Nur wenn Christen bereit sind, das Geheimnis Gott tatsaechlich zu repraesentieren. So wie JvN bereit war, das Geheimnis Gott in seiner Situation zu leben - so jede getaufte Person - dann ist der christliche Glaube ein Dienst am
wahren Wohlergehen - davon bin ich ueberzeugt.
Bedingung Nr 02) Je weniger der getaufte Christ das Geheimnis Gott kennt, desto eher ist sein Glaube ein Dienst am Gemeinwohl. Wenn eine getaufte Person vieles von Gott weiss und seinen Willen bereits kennt, dann ist sie ungeeignet DAS GEHEIMNIS zu repraesentieren. Es geht eben nicht darum, einen bestimmten Gott oder den eigenen Gott darzustellen sondern es geht darum, jenes GEHEIMNIS zu repraesentieren, das wir wagen GOTT zu nennen.

Gott als unergruendliches GEHEIMNIS zu glauben, sich fuer dieses GEHEIMNIS zu entscheiden, das ist der wahre Dienst am Wohlergehen der Menschheit.

                       Je mehr uns alles zum Geheimnis wird,
                       desto eher tragen wir zum Wohlergehen aller bei.

Mittwoch, 10. Oktober 2012

28. Sonntag B (14.10.2012) Mk 10.17-30

Es ist doch erfreulich, dass ein reicher junger Mann nach "Lebens-qualitaet" fraegt.
Und diese Frage ist im Christentum sooo wichtig, dass sie schon im NT oefters
gestellt wird (Mt 19.16-22; Lk 18.18-23; Lk 10,25-37) und die Frage ist in der
ganzen Christentumsgeschichte nicht mehr verstummt - auch weil alle Antworten
zeitbedingt sind.

Doch, die erste Antwort ist eindeutig: "Die Gebote halten". Die "10 Gebote Gottes
vom Sinai" (ein Meisterwerk der israelischen Kultur) sind die Bedingungen unter denen das Leben der Menscheit gelingen koennte und ihr zumindest das Ueberleben sichert. Wenn Du mit dem "Gott des Lebens" im Bund sein willst, dann...
Fuer mich sind die Menschenrechte eine seculare Weiterentwicklung der Gebote Gottes...   und das Weltethos die Suche nach einem gemeinsamen Verhaltens-
Nenner fuer alle. Im sekularen Namibia haben die Menschen-Rechte theoretisch einen guten Ruf (cf. Namibia Konstitution Kapitel 3 Artikels 5-25!)... deren Ein-
haltlung aber erfordert noch viele Anstrengungen und wird die Lebens-qualitaet vieler Namibier verbessern.

Gott aber gibt nicht nur das nackte Leben; er fordert uns alle heraus, an der Fuelle des Lebens teilzunehmen. Und der Reiche hat schon einen gewissen Anteil an der Fuelle. Und nun kommt das erste Prinzip in der Lebens-qualitaets-steigerung ins Spiel: das Teilen. Die ersten drei Gebote sind Gemeinschaftsgebote, das vierte sichert die Entwicklung ab, und die folgenden 6 Gebote sind Abgrenzungs-gebote (Du sollst nicht...) die im Teilen Lebens-qualitaet foerdern. Wenn einer unter die Raeuber gefallen ist - "Leben auf Sparflamme"; die Resourcen sind gepluendert; du sitzest fest im Gefaengnis der Unterentwicklung - dann geht es  um den Ausgleich:
Leben wiederherstellen im Teilen.  Du sollst kein falsches Zeugnis abgeben (Sicherstellung der Wahrheit) - aber die Lebens-qualitaet steigt im "mit-teilen". Du sollst die Ehe nicht brechen (Existenz-sicherung) - aber die Lebens-qualitaet steigt im mit-einander Tisch und Bett teilen.Wer irgendwo nicht teilt, hindert die Lebens- qualitaet der Menschheit.

In unseren "Arts-Performance-Centres" foerdern wir die Lebensqualitaet vieler Kinder und Jugendlicher - und wir koennen es nur tun - weil einige Reiche ihren Reichtum mit uns teilen.

Freitag, 5. Oktober 2012

27. Sonntag B ( 07.10.12) Ein Welt-Ereignis

An diesem Sonntag werfen wir einen Blick auf die Kirchengeschichte:

1.) Heute beginnt in Rom eine kath. Bischofssynode. Etwa 300 Bischoefe
sinnen nach ueber eine Neue Evanglisierung. Sie werden vor allem methodische
Vorschlaege machen, wie man denn "den Glauben von heute" aufgefrischt  etwas
mehr verbreiten kann. Ob sie die Mahnung des soeben verstorbenen Kardinals
Carlo Martinti im Ohr haben: "Die heutige Kirche lebt in 200 jaehriger Verspaetung".
Die Kirche kann es noch nicht eingestehen, dass "der Glaube von heute" zusehr
von gestern bestimmt ist und dass vor allem das Gottesbild einer Revision bedarf.
Doch dazu ist die Kirche noch nicht bereit...  Wir werden ja sehen...

2.) Am 11. Oct 2012 feiert die ganze Kath. Kirche, dass for 50 Jahren (1962)
das Konzil Vaticanum II begann. Am 25.01.1959 hat Papst Johannes XXIII ein
"allgemeines pastorales Konzil fuer die Weltkirche" angekuendigt.Nun haben 1962 die 2500 teilnehmenden Bischoefe mit ihren Berater etc... die Arbeit aufgenommen unter dem Motto "aggiornamento". VER-HEUTIGUNG...

3.) Papst Benedikt wird nun ein "Jahr des Glaubens" deklarieren, wo die Glaeubigen
eingeladen sind, den "Kath. Glauben" ueberall in der Welt zu verlebendigen. Er ist ueberzeugt, dass wir "den richtigen Glauben" gefunden haben (cf. Weltkatechismus) - es geht nur um die Verbreitung (ein strategisches Problem).

Ich moechte Sie einladen als post-vatikanische Katholiken folgendes zu beachten:
Im Jahr des Glaubens koennen wir und in der Synode die Bischoefe die Themen, Fragen und Antworten des Konzils neu durchdenken und weiterfuehren! Vielleicht wagen Sie es auch neue FRAGEN zu stellen?

A) Wie sehen Sie die Kirche? fuehlen Sie sich als Kirche?
als das Volk Gottes auf dem Weg in die Zukunf? stets aufbrechend in neue Wege...
als das Sakrament des Heils fuer die Welt? ein nuetzliches Instrument, das wirkt..
als der Leib Christi am Werk? ein Leib, der sich freut, der geniesst, der leidet...

B) Sind Sie nun aktiv an der Liturgie beteiligt? oder nur "Zuschauer"? Wer feiert die Messe, die Sakramente? der Priester oder sie alle? Was machen Sie mit den Liturgie-Abstinenten?

C) Koennen Sie als ein Katholik die Freiheit ihre Religion frei zu waehlen als ein Menschen-Recht sehen? Ist fuer Sie die Kath. Kirche noch immer die einzig wahre Religion und alleinseligmachend? Hat sich Gott in allen Religionen geoffenbart?

D) Sehen Sie die christl. Kirchen: Katholiken, Orthodoxen, Protestanten als eine Einheit in Verschiedenheit oder muessen alle "eher Katholisch" werden? Sind Sie oekumenisch engagiert?

E) Sind fuer Sie die Juden "Jesus-killer" und Bundesbruechige oder der aeltere Bruder des Christentums und im gleichen Bund mit Gott?

F) Was halten Sie von der Welt? Ein Jammertal, eine Gier-Kompanie, ein verruecktes Karusell, oder ein Spielplatz fuer die Kraefte um das Allgemeine Wohl zu erreichen und zu garantieren.Und die Rolle der Kirche in diesem Kraeftespiel?

G) Gott hat sich selbst mitgeteilt (Offenbarung).Aber wie macht er das?
Er offenbart sich in der Bibel, in der Tradition, in den Erfahrungen und durch den Verstand des Menschen? Was ist das Kriterium um die vielen Offenbarungen zu bewerten?

H) Was ist die Rolle des Bischofs in der Kirche? Ein absoluter Herrscher, der
den Willen Gottes durchsetzt oder eher ein Manager der vielen Stroemungen
oder gar ein Diener am Glauben?

Dem Konzil (1962-65) ging es wirklich darum, den alten Glauben zu verheutigen...
wir gratulieren den Pionieren! grossartig...
heute geht es darum, dass der alte Glaube nicht mehr stimmt...

Donnerstag, 27. September 2012

26. Sonntag B (30.09.12) Mk 9.38-48

Mk bietet uns heute zwei recht tiefe Einsichten in christliches Leben.
1. (38-40) Gemaess Mk zeigt Johannes, dass die Apostel einem exclusiven Denken verfallen sind; denn er erklaert, dass sie einen, der in Jesu Namen Gutes tat und nicht zu ihrer Gruppe gehoerte, stoppen wollten. Jesus ist strict dagegen und erklaert seinerseits: Wer Gutes tut in meinem Namen wird nicht schlecht sprechen von mir.                              "Wer nicht gegen uns ist - ist fuer uns".
Jesus zeigt ein grosszuegiges inclusives Denken. Im Zeitalter der Oekumene, wo es Tausende von christlichen Konfessionen gibt, die sich alle auf den Namen Jesu berufen und die oft nachweislich viel Gutes tun, duerfte die Katholische Kirche ganz allgemein sich zum inclusiven Denken Jesu bekennen. Alle, die im Namen Jesu leben und wirken wollen sollten im weiten oekumenischen Gespraech eine Stimme haben. Nur wer sich als "allein-seligmachend" profiliert, schliesst sich von der Oekumene aus.

2. (41-48) Einen Becher Wasser zu trinken geben bedeutet: ihn am leben erhalten!
Christen (genauer: eine Christengemeinde) am Leben erhalten ist fuer alle vorteilhaft.                    Das ist eine Grundueberzeugung von Jesus!
Gilt das auch fuer Syrien, Irak, Aegypten - auch fuer die Schweiz und Norwegen?
oder gar fuer Nigeria?
Ich denke sehr wohl!
Denn "Christ-sein" heisst ja: sich fuer die Teilnahme aller an der
Fuelle des Lebens engagieren).
Fuer Jesus ist dieses "Christen am Leben erhalten" so wichtig, dass er das Droh-
bild braucht: Wer einen Glaeubigen (eine Christengemeinde) als solchen zu Fall bringt, dem ginge es besser er wuerde im See versenkt.
Den Hintergrund fuer solches Denken bildet wohl die Ueberzeugung: dass das
Christentum in seinem Kern fuer die Welt aeusserst wertvoll ist -
es stabilisiert die Welt im sinnlosen Evolutionsprozess;
es bietet der Menschheit Sinn und Heil an!

Diese Grundueberzeugung Jesu ist - weil sie auf seine Juenger uebergehen sollte -
von einer bemerkenswerten Warnung begleitet:
Die oekumenische Heilswirkung des Christentums gilt nur, wenn der christliche Wertekatalog eingehalten wird.
Man merke also: Was nuetzen die grossartigen Werke (Hand) wenn sie ausbeuterisch sind?       Herr erbarme Dich
Was nuetzen die Weltrekorde und die vielen Weltreisen (Fuss) wenn sie
polarisieren und demuetigen?       Herr erbarme Dich
Was nuetzen die Wissenschaften und alle Weltanschauungen (Auge), wenn
sie verwirren und unrealistischen Einbildungen froenen ?  Herr erbarme Dich
Hand und Fuss und Auge sind nicht Eigenwerte, denn als solche sind sie dem zerfressenden Wurm und dem verzehrenden Feuer ausgeliefert; sie sind egozentrisch-vergaenglich.
Hand + Fuss + Auge sind koordiniert in den Dienst der Teilnahme aller an der Lebensfuelle zu stellen.

Samstag, 22. September 2012

25. Sonntag B (23.09.12) Mk 9.30-37

Meine CH-Ferien mit Ailly + Moni sind gut ueber die Buehne gegangen...
viele Besuche und Ausfluege bei meist sonnigem Wetter...

Auf dem Gebiet der Theologie hab' ich gelesen:
H. Pesch: "Gott erkennen" 2011
Das Buch ist jenen, die im alten Glauben sicher gehen wollen, zu empfehlen.
Das alte Gottes- Bild vom metaphysischen Gott wird nicht hinterfragt; es werden
verstaendliche Plausibilitaets-Gruende fuer IHN geliefert.

Hans Joas: "Glaube als Option" Herder 2012
Vom soziologischen Standpunkt aus zeigt Joas Zukunftsmoeglichkeiten des
Christentums. Aengste gegenueber der Saekularisation werden abgebaut, ein neueres
Glaubensverstaendnis wird aufgebaut und moderne Herausforderungen werden
aufgearbeitet. Das Buch bringt Mut und Hoffnung; sogar Zuversicht.

Gotthold Hasenhuettl: "Glaube ohne Denkverbote" L.Schneider 2012
Ein schwieriges Buch, und ich wuenschte mir der Verlag haette mehr zur
Verstaendlichkeit beigetragen. Das bisher bekoemmliche Gottes-Bild wird teil-
weise in Frage gestellt. Die christliche Kirche wird gruendlich gereinigt und
eine humanere Religion wird vorgestellt. Doch wir brauchen mehr und klarere
Vorstellungen...

Zum Evangelium:
Gemaess Markus veroeffentlicht Jesus seine Zukunfts-Aussichten:
1. Er wird in die Haende der Menschen ueberliefert.
Was ja fuer jeden Erdenbuerger das Normalste der Welt ist.
Jeder ist den "andern" ausgeliefert; keiner lebt allein...
2.) Auch sterben muss jeder; aber einige sterben natuerlich und andere benehmen
sich so, dass sie nicht ertragen werden - das kann den Einsatztod bewirken.
Dessen ist sich Jesus scheinbar nun bewusst geworden.
3.) Jesus sieht das 'leben + sterben" als ein Weg in die Fuelle des Lebens hinein
(auch Auferstehung oder Himmel genannt). Dieses allesumfassende Lebens-
verstaendnis ist auch fuer den modernen Menschen schwer zu fassen; der homo
sapiens ist noch nicht soweit...  oder weniger denn je soweit...

Darum nun der Hinweis: Bei solcher Zukunfts-Aussicht...  wenn alles und alle
auf dem Weg in die Lebensfuelle sind, dann ist ein richtig verstandenes Dienen,
dem Leben im umfassenden Sinne dienen, wohl die kluegste und  ertragreichste
Haltung. Wir sind im Dienst des Lebens - alle -
               es zu wissen und zu taetigen - ist humanes Erbe.

Und nun die grosse Ueberraschung: Dieses dem menschlichen Leben Dienen,
menschliches Leben willkomm heissen, konkret bejahen - solches Tun ist "durch-
schlagend"d.h. wer dem Menschen-kind dient, der dient zugleich dem Jesus
(tut also christlichen Dienst) und dient zugleich dem Geheimnis Gott. Damit wird
Dienst am Leben des Menschen zum Gottesdienst deklariert, womit Religion
(und der sog. religioese Gottesdienst) endet und seculares Christentum beginnt.

Dieser Vereinigungstrend: wo Mensch und Gott als Einheit gesehen wird ist dem
Christentum spezifisch und bedarf dringend der Erneuerung.

Samstag, 18. August 2012

24.Sonntag B (16.09.12) Mk 8.27-35 offen fuer

Das "offen-sein" meint, sich zum konstruktiven Wahrnehmen zu bekennen
(cf. effeta; 23.Sonntag). Aber ebenso sehr ist mit "offen-sein" gemeint,
"sich vergeben". Gesalbt wird der Koenig, der Priester, der Christ um
dem Volk zu dienen, sich im Einsatz zu vergeben.
Das ist der Jesusweg, den Petrus noch nicht einsah. Sterben gehoert zum Leben;
das ist so grundgelegt, dass es jeden trifft. Aber wofuer du lebst und stirbst,
das kannst du mitentscheiden. "Offen-sein" ist auch ein sich aussetzen,
d.h. sich einsetzen und dadurch verwundbar werden.
Wenn du offen sagst, was du von der heutigen Kirche haelst
(die leibliche Erscheinung Chrsti),
dann begibst du dich auf ein kritisches Feld und machst dich verwundbar.

Wir haben Jesus als Brot fuer das Leben der Welt identifiziert;
moege unsere wahrnehmende und sich vergebende Offenheit fuer die Welt
diesem Brot aehnlich sein.

Sonntag, 12. August 2012

23. Sonntag B (09.09.12) Mk 7.31-37 Effeta

Das Dilemma vom letzten Sonntag (Tradition oder Herzensgrund) koennte in diesem Evangelium eine Aufhellung erfahren: Effeta als Loesungwort! So offen wie moeglich..
die inneren und aeusseren Sinne oeffnen: wahrnehmen, was sich ereignet; Stimmung erspueren; die Musik hoeren; die Botschaft glauben;...
Es gehoerte einst zur Taufe, das "offensein" als Grundmerkmal des Christen anzuzeigen; darum die Mahnung: oeffne dich!
Es war einmal ein Konzil, das unter dem Slogan segelte "aggiornamento".
Sich dem Heute zugaenglich machen; sich ihm oeffnen...
Wenn schon der Himmel eine verheissene Zukunft ist, so koennte es doch sein,
dass von dort her der Gnaden-wind weht... also offen fuer eine neue Zukunft!
Wer Gott als Schoepfer des Himmels und der Erde bekennt koennte ja auch auf
die Idee kommen, dass Er sie von der Zukunft her bewirkt.
Es geht aber nicht darum: Vergangenheit oder Zukunft! Wenn wir in Betracht ziehen, wie sehr der Mensch auch seine Vergangenheit konstruiert, dann gilt eben auch: offen sein fuer eine neue Vergangenheit! Die Ereignisse neu sehen, neu werten... In diesem Sinne ist der Streit um die Konzils-Interpretation sehr
aussagekraeftig. Wie und was holen wir vom "es war einmal" in die Gegenwart?
Das Kunststueck liegt darin, offen sein fuer die aktuelle Gegenwart, die erwartete Zukunft und die erlebte Vergangenheit! Damit waeren wir schon bei einem sehr aktuellen Thema: offen sein fuer die Subjektivitaet des menschlichen Weltbildes!
Das spuerten die Bewunderer Jesu und meinten: Er hat alles wohl getan!

22. Sonntag B (02.09.12) Mk 7.1-8,14-15,21-23

Wie heilig sind uns die Traditionen? Traditionen koennen sehr hilfreich sein aber auch
sehr hinderlich - je nachdem, welches Lebensziel wir anstreben. Traditionen gehoeren in den Kleiderschrank - und fuer viele gilt - "Kleider machen Leute" oder
Traditionen bestimmen das Leben. Fuer Jesus ist dem nicht so! Zaehlt fuer ihn denn
die innere ueberzeugte Entscheidung? Eben auch nicht: Das Uebel kommt von innen,
aus dem Herzensgrund. Sowohl "leben" gemaess den Traditionen als auch "leben" gemaess den eigenen Herzensentscheidungen - beider Lebensstil muss heute im
secularen Christentum mit Fragezeichen rechnen.
Die beruehmten Gebote Gottes und neuestens die Menschenrechte gehoeren auch
schon zu den Traditionen. Der homo sapiens hat zB die Tradition entwickelt "einander nicht zu toeten" (Recht auf Leben)! Jesus betont sogar: Wir sind fuer-
einander "Brot". Auch daraus wurde eine (christliche) Tradition: Abendmahl feiern, Erstkommunion, Ehe-Sakrament... Fasnacht und Fasten sind ebenso Traditionen wie der Kilbi-Tanz und die rituelle Beschneidung. Es hat sich sogar eine Tradition ein-
geschlichen die in Anspruch nimmt, dass das Geheimnis Gott durch Menschen spricht (von aussen nach innen / von innen nach aussen). Doch Jesus vertraut auch dem Herzen nicht. Ist das fromme Beten Tradition oder Herzensentscheid? Und beides ist in Frage gestellt!
Die letzten Sonntage haben darauf aufmerksam gemacht (Joh 6), dass die "Brot-
existenz" Leben fuer die Welt bringt.Und im Jesus-Abendmahl vernehmen wir:
Gott ist menschlich Wein und Brot. Und die Mystiker wuerden wohl sagen:
Die Menschen sind "goettlich" wenn sie einander Brot und Wein werden.

21. Sonntag B (26.08.12) Joh 6.60-69

Die Bibel macht uns immer wieder darauf aufmerksam, dass der Mensch als
Leib-Geist-Seele Einheit zu sehen ist. Auf dieser Grundlage kann nun der 
Johannes-Jesus sagen: Es ist die spirituelle Einstellung die der Welt Leben gibt.
Jesus gibt seinen "Geist / Spirit" an die Juenger weiter; d.h. seine Haltung, seine Einstellung, sein Lebenstil, sein Vertrauen in das Geheimnis Gott, seine Sendung,
seine Ueberzeugung...
Er gibt diese seine "spirituelle Einstellung" sehr konkret weiter: vor allem durch
sein Tun. Seine Taten sind Zeichen, die Kraft vermitteln und einladen.
Fuer viele ist diese Einladung eine unertraegliche Herausforderung. Nur wer das
Geheimnis Gott attraktiv findet - kann ihr entsprechen.
Es zeigt sich hier wieder wie entscheidend wichtig fuer den Menschen seine
"Gottesauffassung" ist. Die christlichen Kirchen taeten der Welt einen heilenden
Dienst, wenn sie sich neu und deutlicher der "Gottesauffassung" zuwenden wuerden.
Die Geschichte, wie sich im homo sapiens durch die Zeiten und Kulturen hindurch
die "Gottesauffassung" entwickelt hat, kann aufhellend wirken. Und gerade heute,
wo wir uns ein neues Weltbild erarbeiten (auch mit Hilfe der Natur-wissenschaften), muss auch die menschliche "Gottesauffassung" neu durchdacht werden.
Wenn wir uns im kommenden "Jahr des Glaubens" nur auf den Weltkatechismus
zurueckerinnern, mag das zwar fuer einige eine noetige Auffrischung sein, aber
das genuegt bei weitem nicht. Klaus Mueller hat uns in seinem Buch: "Dem Glauben
nachdenken" ( Aschendorff Verlag 2010) Hinweise gegeben, wohin das neue Denken
wandern muesste. Die "Kenosis Gottes" ist noch lange nicht in unsere spirituelle Einstellung uebersetzt worden...